Peak Nahrungsmittel

Intro:


Zitate:

I:


II:

Nutrit pax Cererem, pacis amica Ceres = Der Frieden nährt die Ceres, Freundin des Friedens ist Ceres. (Ceres, römische Göttin des Ackerbaus)


The man lay with his wife Eve, and she conceived and gave birth to Cain. She said: „With help of the Lord I have brought a man into being“. Afterwards she had another child, his brother Abel. Abel was a shepherd and Cain a tiller of the soil. (Genesis, 4, 1-2)


Die Landwirtschaft ist die erste aller Künste: ohne sie gäbe es keine Kaufleute, Dichter und Philosophen; nur das ist wahrer Reichtum, was die Erde hervorbringt. (Friedrich II./‚der Grosse‘/‚Der alte Fritz‘, 1712-1786, König von Preussen)


The nation that destroys its soil destroys itself. (President Franklin D. Roosevelt)


What we do to the land, we do to ourselves. (Wendell Berry, born 1934, US-American man of letters, academic, cultural and economic critic, and farmer)


III:

All the trees were as different from ours as day from night, and so were the fruits, the herbage, the rocks, and all things. (Chistopher Columbus, mariner, 1492)


Europa vor der Kartoffel und nach der Kartoffel. (Niklas Luhmann, Das Problem der Epochenbildung und die Evolutionstheorie, 1986)


Ist eine ausreichende Ernährung nicht mehr garantiert, dann verliert jede Art von Herrschaft ihre Legitimität und wird instabil. Aber auch andere, nichtherrschaftliche Beziehungen, solche, die vergemeinschaftend wirken, wie familiäre, freundschaftliche oder genossenschaftliche, büßen ihre soziale Verbindlichkeit ein, wenn die Nahrung nicht mehr miteinander geteilt wird und der ‚co-pain‘, der, mit dem man sein Brot teilt, dem Hunger überlassen wird. (Eva Barlösius, Soziologie des Essens, S.15, 1999)


Kimi yer, kimi bakar. Kıyamet ondan kopar = Aufstand entsteht, wenn einige essen, andere nur zuschauen. (Türkische Weisheit)


İp inceldiği yerden kopar = Seile zerreissen an den ausgedünnten Stellen. (Türkisches Sprichwort)


IV:

Long before there was „Peak Oil“, there was „Peak Soil“. Iowa has some of the best topsoil in the world. In the past century, half of it’s been lost, from an average of 18 to 10 inches deep … Productivity drops off sharply when topsoil reaches 6 inches or less, the average crop root zone depth. (Alice Friedemann, Peak Soil: Why Cellulosic ethanol and other Biofuels are Not Sustainable and are a Threat to America’s National Security, Culture Change.org, 11.4.2007)


Soil Science 101: There Is No ‚Waste‘ Biomass! (Alice Friedemann, Peak Soil: Why Cellulosic ethanol and other Biofuels are Not Sustainable and are a Threat to America’s National Security, Culture Change.org, 11.4.2007)


V:

Und genau das ist die Botschaft dieses Buches: Kinder, die heute geboren werden - sowohl in den Industrieländern als auch in den Entwicklungsländern - leben länger und gesünder, haben mehr zu essen, eine bessere Ausbildung, einen höheren Lebensstandard, mehr Freizeit und sehr viel mehr Möglichkeiten - ohne daß die Umwelt zerstört wird. (Bjørn Lomborg, Apocalypse No! Wie sich die menschlichen Lebensgrundlagen wirklich entwickeln, S.410, 2002)


VI:

Wenn jemand euch euer Brot entzieht, beraubt er euch gleichzeitig euer Freiheit. Aber wenn jemand euch euer Freiheit beraubt, dann wisst ihr, dass euer Brot bedroht ist, denn es hängt nicht mehr von euch und eurem Kampf ab, sondern von der Eigenmächtigkeit irgendeines Herren. (Albert Camus)


Der unablässige Kampf gegen den Hunger hat die Entwicklung der Menschheit maßgeblich bestimmt. Die Menschen wollen wie alle Lebewesen satt werden. Doch nur die Bevölkerungen der frühindustrialisierten Völker können von sich sagen: Wir haben es geschafft. Wir haben das lange ersehnte Menschheitsziel erreicht. Bei uns hungert niemand mehr, es sei denn aus freien Stücken. Doch zugleich müssen sie feststellen, dass sie das Ziel verfehlt haben, dass sie über das Ziel hinausgeschossen sind. Denn sie sind nicht nur satt. Vielmehr wächst die Zahl (über-)ernährungsbedingter Krankheits- und Sterbefälle in beängstigendem Ausmaß. (Meinhard Miegel, Epochenwende - Gewinnt der Westen die Zukunft?, S.150, 2005)


Die Gesellschaft setzt sich aus nur zwei großen Klassen zusammen: die einen haben mehr Mahlzeiten als Appetit, die anderen weit mehr Appetit als Mahlzeiten. (Sébastien Chamfort, 1741-1794, frz. Schriftsteller)


Die Armen verhungern auch am Reichtum der Reichen. (Heribert Prantl, 2.10.2007)


In Wien wird täglich eine Menge an Backwaren weggeworfen, die ausreichen würde, ganz Graz, die zweitgrößte Stadt Österreichs, zu ernähren. (Dirk Müller, ’Mr. Dax’, Crashkurs, 2009; , )


Erst das Essen dann die Moral – des Essens. (Harald Lemke, Feuerbachs Stammtischthese oder zum Ursprung des Satzes - „Der Mensch ist, was er isst“, in: Aufklärung und Kritik, 11.Jhg., S.117-140, 1/2004)


Doch alle Autoren beklagen, dass außer Fensterreden nichts passiert. Kurzfristige wirtschaftliche Interessen verhinderten höchst erfolgreich jeden Versuch, der Fischerei Grenzen zu setzen. Mit EU-Subventionen wird der Raubbau sogar noch forciert. Nachdem die Fischbestände vor der Haustür drastisch zurückgegangen sind, kauft sich die EU jetzt das Recht, vor Afrikas Küsten die Meere auszuräumen. Das Nachsehen haben die einheimischen Fischer. (Johannes Kaiser, Leergefischt, Deutschlandradio Kultur, 12.6.2007)


Wenn Sie im Senegal auf den Markt gehen, können Sie europäische Früchte zu einem Drittel der einheimischen Preise kaufen. Also hat der senegalesische Bauer keine Chance mehr, das Auskommen zu finden. (Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung)


Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet. (Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Menschenrecht auf Nahrung)


Die erste Bedingung, daß du etwas in dein Herz und deinen Kopf bringst, ist, daß du etwas in deinen Magen bringst. (Ludwig Feuerbach, 1804-1872, dt. Philosoph)


Anfang und Wurzel alles Guten ist die Freude des Magens; selbst Weisheit und alles, was noch über sie hinausgeht, steht in Beziehung zu ihr. (Epikur, 341-270 v.u.Z., griechischer Philosoph)


Glück besteht aus einem soliden Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung. (Jean-Jaques Rousseau)


Fette Beamte - dürre Bauern. (Chinesische Weisheit)


Der weiße Mann wird vor vollen Tellern verhungern. (Indianische Prophezeihung)


Mit Industrie-Food essen wir uns dumm. (Hans-Ulrich Grimm)


Der Traum der Zivilisierten ist nicht mehr die erlöste Welt, ja nicht einmal mehr das Schlaraffenland, wo jedem die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern die nächst bessere Auto- oder Fernsehmarke. (Max Horkheimer, Verantwortung und Studium, in: Adorno/Horkheimer, Sociologica - Reden und Vorträge, S.76, 1962)


VII:

Der ständige Wettlauf zwischen wirtschaftlichem Fortschritt und Vermehrung der Bevölkerung bescherte Europa noch bis in das 19.Jahrhundert hinein schlimmste Hungersnöte. Die Zeit ab Mitte des 18.Jahrhunderts bezeichnet man als Pauperismus, weil damals wieder einmal ein Bevölkerungsschub zur Verarmung der Menschen geführt hatte. Das malthusianische Gesetz zeigte sich in der zweiten Hälfte des 18. und auch noch der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts in Europa mit aller Grausamkeit. (Hans-Werner Sinn, Das grüne Paradoxon, S.439, 2008, )


But the difficulties it faced were considerably increased by the unrestricted British naval blockade imposed on Germany’s direct and indirect (via neutral ports) seaborne trade after March 1915. This cut off a significant volume of imported feeds and fertilizers, contributing to the 40-50 per cent fall in domestic agricultural production which occurred during the war years.“, (Niall Ferguson, Food and the First World War, Cambridge, 1991)


Inzwischen verbraucht die Agrarindustrie 10 kcal an Energie aus fossilen Trägern, um 1 kcal Nahrung zu erzeugen. (Al Gore, Wir haben die Wahl, S.213, 2009)


Ob es uns schmeckt oder nicht: Wir essen Öl. (Wolfgang Hirn, Der Kampf ums Brot - Warum die Lebensmittel immer knapper und teurer werden, 2009)


Kontrolliere das Öl und du kannst gesamte Nationen kontrollieren. Kontrolliere Nahrung und du kontrollierst die Menschen. (Henry Kissinger, US-Sicherheitsberater und Außenminister, 1970)


No cheap oil, no cheap food. (Alex Kirby, 2004)


Heute kann ich sagen, dass es in strategischer Sicht mindestens so brisant ist wie der Kampf ums Öl. Denn es geht um die Kontrolle unseres täglichen Lebens. Eines der allerersten Gesetze, das die US-Regierung 2004 im Irak erließ, ist dafür bezeichnend. Es besagt, dass dort in Zukunft genmanipuliertes und patentiertes Saatgut angebaut werden muss - gefördert von der amerikanischen Regierung… ( F. William Engdahl, nach: L. Bürgin, Der Urzeit-Code - Die ökologische Alternative zur umstrittenen Gen-Technologie, S.157, 2007)


Diese LKWs sind alle voll mit Soja. Sie werden im Norden von Matto Grosso beladen. Von dort wird das Soja 2.500 Kilometer zum Hafen transportiert. Und von dort geht das Soja in den Export. (Vincent José Puhl, Biologe, Brasilien)


Die Wahrheit dieses Systems ist eine doppelte. Einerseits wird der Mensch als Stoffwechsler enthüllt, und dies drückt eine unleugbare Wahrheit aus. Zugleich tritt ein anderer Aspekt der Wahrheit über die Lage des Menschen zutage: Wir gelangen durch entfesselten Konsum an die Grenzen der Naturproduktivität. Die Menschheit erweist sich als eine Gattung, die es fertig bringt, die Natur leerzufressen. Am bestürzendsten zeigt sich das beim Fischfang: Der Urlauber auf griechischen Inseln isst heute schon norwegische und finnische Fische, die über Nacht eingeflogen werden, weil die Ostägäis praktisch leergefischt ist. (Peter Sloterdijk, in: Robert Misik, „Nur Verlierer kooperieren“, Die Tageszeitung , 5.5.2009)


Die G7-Staaten sollten dringend einen Plan entwickeln, um den weltweiten Ölverbrauch deut­lich zu senken … Und es sollten lokal erzeugte Lebensmittel gefördert werden … Wir sind ja bereits auf dem Weg dorthin. Die großen, zentralisierten US-Molkereien werden beispielsweise immer unrentabler, weil sie ihre Produkte über große Distanzen transportieren müssen. (Matthew R. Simmons, Der größte Rückzug der Menschheit, Interview in: Pictures of the Future - Zukunft der Rohstoffe, Siemens AG, Herbst 2008)


…a farm built on cheap oil suffers when crude prices quadruple. But the larger problem might be the soaring price for natural gas, the main ingredient for synthetic fertilizer. The University of Manitoba’s Vaclav Smil calculates that 40% of the world’s calories are now produced with synthetic nitrogenous fertilizers. The idea that we must get through the next 50 years, and feed 4 billion more people, with fertilizers two to three times above today’s prices, is more than a little breathtaking. (Paul E. Roberts, Today’s food crisis isn’t a blip, US tody.com, 22.5.2008)


Wir haben ein Lebensmittelsystem, das sich bei einem Ölpreis von 15 Dollar pro Barrel entwickelt hat … Wenn der Preis auf 150 bis 200 steigt, haben wir ein Nachhaltigkeitsproblem. 40 Prozent der weltweit erzeugten Kalorien beruhen auf künstlich hergestelltem Stickstoff-Dünger. Die Vorstellung, dass dieser Dünger in den nächsten 50 Jahren vier und fünf und sechs Mal so teuer sein wird, ist atemberaubend. (Paul E. Roberts, zit in: Tanja Busse, Landwirtschaft am Scheideweg, Aus Politik und Zeitgeschichte, 5-6/2010, S.3-5, 1.2.2010)


If we’re serious about avoiding a repeat of today’s food crisis, we’ll need to significantly boost research in areas such as crop science, water conservation and natural fertilizers. Just as important, we’ll need to recognize today’s food crisis for what it is — not some once-in-a-lifetime perfect storm, but an early, and fairly tame, warning of the challenges ahead. (Paul E. Roberts, Today’s food crisis isn’t a blip, US tody.com, 22.5.2008)


S.oil-civilization in depletion mode! (A. Röhrbein, EG/Eigenzitat, 25.2.2010)


VIII:

Man geht davon aus, dass die zur Düngerproduktion nutzbaren Phosphatlagerstätten früher erschöpft sein werden als die weltweiten Erdölvorkommen. Viele Industrieländer haben bereits einen Grenzwert für Cadmium in Düngemitteln eingeführt. So ist weltweit nur noch eine Lagerstätte bekannt, die den Grenzwert der EU unterschreitet (Kola). In Entwicklungsländern dagegen wird Düngung mit billigeren cadmiumverunreinigten Phosphatdüngern durchgeführt. (Wikipedia, Phosphate)


Researchers in Australia, Europe and the United States have given warning that the element, which is essential to all living things, is at the heart of modern farming and has no synthetic alternative, is being mined, used and wasted as never before … Quite simply, without phosphorus we cannot produce food … The economic battle to secure phosphorus supply may already have begun. (Leo Lewis, Scientists warn of lack of vital phosphorus as biofuels raise demand, Times Online, 23.6.2008)


In some ways, the problem of peak phosphorus is more difficult than peak oil … However if we waste phosphorus, we cannot replace it by any other source. (Patrick Déry/Bart Anderson, Peak phosphorus, 13.8.2007)


Die letzten fünfzig Jahre haben wir die Mikroorganismen im Boden zerstört. Man muss sie wieder entdecken. Ich kenne Bauern, die keinen Dünger mehr einsetzen, aber gezielt mit den Mikroorganismen arbeiten – und höhere Erträge ernten als zuvor. (Marcel Mazoyer, Agraringenieur, zit. in: Marcel Hänggi, Peak-Oil: Lernen aus „Peak Stickstoff“, Telepolis/heise.de, 19.9.2009)


IX:

Um ein Kilogramm Rindfleisch zu erzeugen, werden über sieben Kilogramm pflanzliches Eiweiß benötigt - und über 22.000 Liter Wasser. (Al Gore, Wir haben die Wahl, S.214, 2009)


325.000 km² Regenwald werden jedes Jahr vernichtet, um auf dem Boden Tiere für den Verzehr zu züchten und weitere Flächen um Soja für Schlachttiere anzubauen! (Fleischsteuer.ch)


Mit Bioenergie wollen sie die Annehmlichkeiten des modernen Lebens bewahren, ohne die fossilen Vorräte anzutasten. Aber sie bedenken nicht, dass diese natürlichen Quellen schon früher nicht reichten, dass die Ansprüche heute viel höher sind und dass der fossile Kohlenstoff eben wegen des Gesetzes von Malthus sehr viel mehr Menschen das Leben ermöglicht hat, als früher existierten. (Hans-Werner Sinn, Das grüne Paradoxon, S.441, 2008)


Der Appetit der Welt auf Treibstoff ist unersättlich. Das Getreide, das nötig ist, um den 120 Liter fassenden Tank eines Geländewagens mit Ethanol zu füllen, reicht aus, um einen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Von der Menge, die destilliert werden muss, wenn der Tank alle zwei Wochen gefüllt wird, könnten sich 26 Leute ein Jahr lang satt essen. (Lester R. Brown, Sprit für die Welt, Spiegel, 27.3.2007)


Ich rechne mit Konflikten um fossile Rohstoffe und um fruchtbaren Boden, der für die Nahrungsmittelproduktion taugt. Die Anbauflächen werden immer geringer und die Ölvorräte sinken – das sind sehr konfliktträchtige Bereiche. (Harald Welzer, Interv. in: „Gewaltsame Ressourcenkämpfe sind nicht ausgeschlossen“, Zeit Online, 20.3.2009)


X:

Alle Lebensmittelproduktion hängt von Wasser ab. (Maggie Black/Jannet King, Der Wasseratlas - Ein Weltatlas zur wichtigsten Ressource des Lebens, 2009)


Etwa zwei Drittel des verbrauchten Wassers dienen der Bewässerung, die den Anbau von Feldfrüchten auf einem Fünftel des Ackerlandes der Welt unterstützt. (Maggie Black/Jannet King, Der Wasseratlas - Ein Weltatlas zur wichtigsten Ressource des Lebens, 2009)


Die Region sei von bewässerter Landwirtschaft abhängig geworden, um die Erträge zu erhöhen. „Daher könnten wir einem größeren Problem als nur einer Wasserkrise gegenüberstehen.“ … Ganze Regionen in Nordindien leiden unter Dürre. Vielerorts haben die Bauern das gesamte Grundwasser abgepumpt, um ihre Ernten zu retten. In manchen Orten bewachen schwer bewaffnete Bauern ihre letzten Brunnen, die noch Wasser tragen. (Sascha Zastiral, Studie der NASA: Indien droht das Wasser auszugehen, taz.de, 22.8.2009)


XI:

Neun von zehn Fischbeständen in Europa sind überfischt - ein Desaster … Weil in Europa viel zu viele Fischerboote Jagd auf viel zu wenig Fisch machen. Für die meisten Fischbestände hätte die Fangflotte die Kapazität, doppelt bis dreimal so viel Fisch zu fangen, wie Forscher noch für vertretbar halten … Trotz der enormen Befischung müssen wir bereits zwei Drittel des in Europa verzehrten Speisefisches aus dem Ausland importieren … Jahrelang wurde weltweit mehr Fisch gefangen, als wieder nachwachsen konnte. So laufen viele Fischgründe Gefahr, auf lange Zeit ausgeplündert zu werden. Sie würden sich, wenn überhaupt, nur nach Jahrzehnten erholen. (Joe Borg, EU-Kommissar für Fischerei und maritime Angelegenheiten, in: EU-Kommissar Borg: „Große Schiffe sollten abgewrackt werden“, sueddeutsche.de, 31.7.2009)


Mit dem Boom der Fischfarmen ist die Plünderung der Meere in eine neue Phase eingetreten. Nachdem sie die Bestände der großen Raubfische dezimiert haben, verstärken Fangflotten nun die Jagd auf die kleinen Arten … Experten wie der Meeresforscher Daniel Pauly sagen daher, dass allein Farmfische mit vegetarischen Essgewohnheiten ökologisch unbedenklich seien, Tilapia etwa oder Pangasius. (Moritz Koch, Fisch ist aus - Begehrtes Gut, sueddeutsche.de, 26.8.2009)


Fisch trägt entscheidend zur weltweiten Lebensmittelversorgung bei und wird mit hoher Wasserbelastung verstärkt für den Verkauf gezüchtet. (Maggie Black/Jannet King, Der Wasseratlas - Ein Weltatlas zur wichtigsten Ressource des Lebens, 2009)


XII:

Augenblicklich hängt das Schicksal Europas und alle Berechnung im Großen von der Frage der Lebensmittel ab. Wenn ich nur Brot habe, ist es ein Kinderspiel, die Russen zu schlagen. (Napoleon Bonaparte, 1769-1821, französischer General, Staatsmann und Kaiser, 12.3.1807)


Ureinwohner, s: Personen von geringem Wert, die eine Belastung für den Ackerboden eines neu entdeckten Landes darstellen. Sie hören bald damit auf, ihn zu belasten; sie düngen. (Ambrose Bierce, 1842-1914, US-amerikanischer Schriftsteller, Journalist und Lebenskünstler, Des Teufels Wörterbuch)


LORD HANKEY schrieb Churchill zu der Frage, wie man Tiere - und auch Menschen - töten konnte. Es war der 6. Dezember 1941. »Die zurzeit einzige technisch durchführbare Methode in der Anwendung von Milzbrand gegen Vieh besteht darin, dass man infizierte Kekse vom Flugzeug aus abwirft«, teilte Hankey dem Premier mit. »Die Versuche, die für den Unterausschuss durchgeführt worden sind, berechtigen zu der Annahme, dass eine beträchtliche Anzahl von Tieren getötet werden würde, wenn diese Methode konzentriert und wenn sich das Vieh im Freien befindet, angewendet wird …«. Man brauche eine Menge Milzbrandsporen, zuzüglich 2 Millionen Kekse, außerdem Arbeiterinnen zur Bedienung der Maschinen, mit denen man die Kekse mit Bakterien präpariert. Churchill billigte den Plan. So began die Operation Vegetarier: die Herstellung von Millionen infizierter Kekse, die eingelagert wurden und auf den Befehl des Premierministers warteten. Am Ende reichte jedoch die Rote Armee und der jahrelange Bombenkrieg aus, um eine bedingungslose Kapitulation zu erzwingen. (Nicholson Baker, Menschenhauch - Wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete, S.488, 2009)


Wollte man in Europa Grund und Boden, dann konnte dies im Großen und Ganzen nur auf Kosten Russlands geschehen, dann musste sich das neue Reich wieder auf der Straße der einstiegen Ordensritter in Marsch setzen, um mit dem deutschen Schwert dem deutschen Pflug die Scholle, der Nation aber das tägliche Brot zu geben. (Adolf Hitler, zit. von Wolfgang Wippermann, Ideologie, in: Benz/Graml/Weiß (Hg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, S.11-21, 1997)


If you go and take the field of an enemy, the enemy will come and take your field. (Babylonische Weisheit)


Wir können ohne Butter auskommen, aber trotz all unserer Friedensliebe nicht ohne Waffen. Mit Butter kann man nicht schießen, aber mit Gewehren. (Joseph Goebbels, 17.1.1936)


Gewehre werden uns stark machen; Butter wird uns nur Fett machen. (Herman Göhring, 1936)


The Soviets put guns over butter, but we put almost everything over guns. (Margaret Thatcher, Britain Awake-Speech, 19.1.1976)


Sie schaffen eine Wüste und nennen das Frieden. (Tacitus, Agricola 30,5)


Und er wird richten zwischen vielen Völkern und Recht sprechen mächtigen Nationen bis in die Ferne. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Sicheln; kein Volk wird gegen ein anderes Volk das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen. (Micha 4,3, nach der Lutherbibel, vgl. auch: Jesaja 2, 2-4)


Der einzige Sieg, an den ich glaube, ruht in der Kraft des Samenkorns. Senke das Samenkorn in die Erde, in die weite schwarze Erde, und der Sieg ist dein - mag es auch langer Zeit bedürfen, bis wir den Weizenhalm triumphieren sehen. (Antoine de Saint-Exupéry, 1900-1944, Flug nach Arras/Pilote de guerre, 1942)


This leads to the further reflection, that no other human occupation opens so wide a field for the profitable and agreeable combination of labor with cultivated thought, as agriculture. I know of nothing so pleasant to the mind, as the discovery of anything which is at once new and valuable – nothing which so lightens and sweetens toil, as the hopeful pursuit of such discovery. And how vast, and how varied a field is agriculture, for such discovery. The mind, already trained to thought, in the country school, or higher school, cannot fail to find there an exhaustless source of profitable enjoyment. (Abraham Lincoln, Address before the Wisconsin State Agricultural Society, September 30, 1859)


New assistance will help Afghans provide for their families and revitalize the agricultural sector, which is crucial to reducing poppy cultivation and drawing insurgents back into society. (Hillary Rodham Clinton, Secretary of State, Opening Remarks Before the Senate Appropriations Subcommittee on State, Foreign Operations and Related Programs, 25.3.2010)


XIII:

Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet ums Brot, der ihm einen Stein biete? Oder, so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? (Evangelium nach Matthäus, 7, 9)


Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil’gen Land gezogen kam, da mußt’ er mit dem frommen Heer durch ein Gebirge wüst und leer. Daselbst erhob sich große Not. Viel Steine gab’s und wenig Brot. Und mancher deutsche Reitersmann hat dort den Trunk sich abgetan. Den Pferden ward so schwach im Magen, fast mußt der Reiter die Mähre tragen. (Ludwig Uhland, Schwäbische Kunde, über Kaiser Barbarossa mit seinem Heer auf Kreuzzug)


Revolutionen in der Menschheitsgeschichte verändern das Bewusstsein. Ökonomische Revolutionen finden dann statt, wenn eine Energie-Revolution auf eine Kommunikations-Revolution trifft … Während den Jägern und Sammlern Sprache als Kommunikationsplattform genügte, erforderte diese komplexe neue Agrar-Gesellschaft eine Kultur der Schrift. Ist doch interessant: Überall dort, wo bewässerte Landwirtschaft betrieben wurde, entstand eine Kultur der Schrift. Im Nahen Osten, im Industal, in China oder in Mexiko. Und es entstand ein Bewusstsein der Religion. (Jeremy Rifkin, in: Thomas Seifert, US-Soziologe Rifkin: „Globalisierung von oben gescheitert“, DiePresse.com, 10.2.2010)


XIV:

Eating is an agricultural act. (Wendell Berry, born 1934, US-American man of letters, academic, cultural and economic critic, and farmer, What Are People For?, 1990)


Wieso schlucken wir, obwohl uns nichts dazu zwingt, freiwillig, was uns Politik und Wirtschaft an Abgeschmacktem auftischen – und das obwohl wir alle mehr oder weniger um die umweltzerstörenden, gesundheitsschädlichen, tierquälerischen und global ungerechten Auswirkungen unserer Essgewohnheiten wissen? (Harald Lemke, Ethik des »guten Essens«: Gastrosophisches Plädoyer für eine nachhaltige Esskultur, in: Jahn/Voigt (Hg.), Essen mit Leib und Seele, S.42-43, 2002)


Man möge zugestehen, dass man die nächsten Dinge, zum Beispiel Essen…nicht zum Objekt eines unbefangenen und allgemeinen Nachdenkens macht, sondern, weil dies für herabwürdigend gilt, seinen intellektuellen und künstlerischen Ernst davon abwendet; […man] möge zugestehen, dass die allermächsten Dinge von den meisten sehr schlecht gesehen, sehr schlecht beachtet werden … Durch den vollkommnen Mangel an Vernunft in der Küche ist die Entwicklung des Menschen am längsten aufgehalten, am schlimmsten beeinträchtigt worden: es steht heute selbst noch wenig besser. Kennt man die moralischen Wirkungen der Nahrungsmittel? Gibt es eine Philosophie der Ernährung? (Friedrich Nietzsche, 1844-1900)


Der Vorrang der Ethik…gründet im Bereich des Essens nicht zuletzt darin, dass sich jeder jeden Tag mehrmals zu der Möglichkeit eines besseren Essens verhalten muss. Dabei steht ‚jedes Mahl‘ die ganze Welt des Essens auf dem Spiel: Jeder Essakt entscheidet darüber, wie wir uns zur Ernährungsfrage verhalten, wie gut wir leben und die Welt essen. Alle, die in dem Genuss der gastrosophischen Freiheit sind, die eigene Essistenz vernünftig leben zu können, stehen permanent…vor der ebenso unscheinbaren wie unabwendbaren Wahl, entweder die Vernunft in die Welt zu setzen oder diese Welt noch unvernünftiger zu machen, als sie ohnehin schon ist. (Harald Lemke, Ethik des Essens, S.448, 2007)


Die Philosophen haben das Essen nur verschieden negiert; es kommt aber darauf an, es zu verändern. (Harald Lemke, Feuerbachs Stammtischthese oder zum Ursprung des Satzes - „Der Mensch ist, was er isst“, in: Aufklärung und Kritik, 11.Jhg., S.117-140, 1/2004)


Fermentation und Zivilisation sind nicht voneinander zu trennen. (John Ciardi, 1916-86, us-amerikanischer Dichter)


Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf dieser Erde so erhöhen, wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung. (Albert Einstein, 1879-1955)


Kinder weinen. Narren warten. Dumme wissen. Kleine meinen. Weise gehen in den Garten. (Joachim Ringelnatz)


It’s pretty scary when you realize how separated we are, how divorced we are, from the means of production. (Paul Roberts, in: The end of food, CBCnews.ca, 27.5.2008)


Ein Kollaps des Bankensystems galt immer als ausgeschlossen - dann war er da. Strom und Benzin für immer? Scheinen garantiert. Aber wie sicher sind sie wirklich? Krankenhäuser brauchen immer Strom, rund um die Uhr. Aber was wäre mit Rewe und Edeka im Fall einer Energiekrise? Wenn die Lastwagen nicht mehr kämen und die Tiefkühltruhen auftauten - wo würden wir dann einkaufen? Seit selbst kluge Köpfe Unruhen nicht mehr ausschließen und keiner weiß, ob er noch Rente kriegt und wovon er mal leben soll, seitdem werden Kleingärtner wieder ernster betrachtet. (Bert Gamerschlag, Selbstversorgung aus dem Garten, stern, Nr.43, S.116-121, 15.10.2009)


In diesen Zeiten fühle ich mich sicherer, wenn ich mich selbst versorgen kann. (Cindy Thomas, US-Hausfrau/Idaho, zit. in: Federvieh gegen die Krise: US-Bürger halten Hühner, Berliner Morgenpost.de, 11.10.2009)


XV:

Anders die Einwohner von Tikopia, einer Insel im Südwestpazifik. Als sie ihre ökologische Krise begriffen, leiteten sie laut Assadourian einschneidende Veränderungen ein: Sie stellten die gesellschaftlichen Rollen, die Familienplanung und auch ihre Ernährungsgewohnheiten um. So erkannten sie, wie viele Ressourcen die Schweinezucht verschlingt, und schafften sie komplett ab. Seither ist die Bevölkerung auf Tikopia stabil und gedeiht. (Michael Odenwald, Besser Leben für Anfänger - Worldwatch Studie, Focus.de, 12.4.2010)


XVI:

Tee erleuchtet den Verstand, schärft die Sinne, verleiht Leichtigkeit und Energie, und vertreibt Langeweile und Verdruss. (Chinesische Weisheit)


peak-nahrungsmittel/zitate/start.txt · Zuletzt geändert: 2010/05/17 19:12 von admin