Zivilisations-Kollaps

Intro:


Zitate:

I:

Höret also, und vielleicht wird manchen von euch bedünken ich scherzte… (Sokrates, Verteidigungsrede, , )


Alles ist zu jeder Zeit von einem Dogma durchdrungen, einer allgültigen stillschweigenden Übereinkunft, über große und unangenehme Wahrheiten nicht zu reden. (George Orwell)


Damit wir unsere Lebensweise aufrechterhalten können, müssen wir einander anlügen, und ganz besonders uns selbst. Dabei müssen die Lügen nicht mal besonders glaubhaft sein, sie müssen nur als Barrieren gegen die Wahrheit dienen. Diese Barrieren gegen die Wahrheit sind notwendig, denn ohne sie wären viele beklagenswerte Taten nicht möglich. Die Wahrheit muss um jeden Preis vermieden werden. (Derrick Jensen, A Language Older Than Words, 2000)


People just want to go on doing what they’re doing. They want business as usual. They say, „Oh yes, there’s going to be a problem up ahead“, but they don’t want to change anything. (James Lovelock)


1.: So wie bisher darf es nicht weitergehen. 2.: Was stattdessen geschehen müßte, ist längst bekannt. 3.: Trotzdem geschieht nichts. (Klaus Michael Meyer-Abich, Von der Umwelt zur Mitwelt. Unterwegs zu einem neuen Selbstverständnis der Natur, in: Scheidewege, Jahrgang 18, 1988/89)


„Dosiere deine Warnungen!“, hatte es im Molussischen geheißen, „nichts ist gefährlicher als der Überdruß an der Apokalypse.“ - Oder war diese Warnung etwa aus dem Munde eines Mannes gekommen, der auf den Untergang spekulierte? (Günther Anders, Philosophische Stenogramme, 1965)


Ironically, the point of the „boy who cried wolf“ fable is that the threat of the wolf is real but that no one takes any notice because of past false alarms. (David Holmgren, Future Scenarios - How Communities Can Adapt to Peak Oil and Climate Change, S.24, 2009)


Doğruyu söyleyeni dokuz köyden kovarlar = Denjenigen, der die Wahrheit spricht, verjagt man aus neun Dörfern. (Türkisches Sprichwort)


Der Zusammenbruch ist eine Konstante in der Geschichte der Menschheit; er ist global bezüglich seines weltweiten Vorkommens, und er betrifft das gesamte gesellschaftliche Spektrum, von der einfachen Sammlergesellschaft bis hin zur Großmacht. (Joseph A. Tainter, The Collapse of Complex Societies, 1988)


There are periods of history when the visions of madmen and dope fiends are a better guide to reality than the common-sense interpretation of data available to the so-called normal mind. This is one such period, if you haven’t noticed already. (Robert Shea/Robert Anton Wilson, The Illuminatus Trilogy)


Some researchers query the interpretation of past societal demises, preferring a positive message about human nature … It makes no sense to me to redefine as heart-warmingly resilient a society in which everyone ends up dead, or in which most of the population vanishes, or that loses writing, state government and great art for centuries. (Jared Diamond, Two views of collapse, Nature, no.463, p.880-881, 18.2.2010)


We need realism, not positivity, to learn lessons from past societal demises, urges Jared Diamond. (Nature, no.463, p.880-881, 18.2.2010)


II:

Die Differenz von System und Umwelt heißt immer auch: daß nicht jede Einwirkung des Systems auf seine Umwelt sofort auf das System zurückwirkt. Es gibt mehr oder minder große Zeitdistanzen. So wird zum Beispiel der Abbau erschöpfbarer Ressourcen für das System erst dann relevant, wenn sich der Bestand dem Ende nähert. Zeitliche Verzögerung kann heißen: Akkumulation von Belastungen in der Umwelt für das System, die einmal plötzlich bemerkt und relevant werden. Zeitliche Verzögerung kann aber auch heißen: Gewinn von Anpassungszeit … Zeitgewinn ist vielleicht der formalste und allgemeinste Ausdruck für Systemrationalität. Er enthält aber eben deshalb keinerlei Garantie für die Lösbarkeit der Probleme. (Niklas Luhmann, Ideenevolution, S.223, 2008)


This financial turmoil, which will heavily affect the real economy, was absolutely predictable, and it is only one aspect of the wider crisis of all the current development systems. In fact, there are connected simultaneous crises that are rapidly emerging. These relate to energy, water, food, demography, climate change and the ecosystem devastation. (Mikhail Gorbachev, zit. in: Sabina Zaccaro, Time for a Global Glasnost, Says Gorbachev, IPS News.net, 14.10.2008)


In unseren Tagen ist es die globale Krise, und zwar die ökonomische, die ökologische, die kulturelle … Dabei geht es zunächst darum, die Realität der Krise überhaupt im Ernst zu begreifen. Wir müssen aufhören, die Krise zu ästhetisieren … Hierbei sind im kollektiven Erleben die Ansätze zur Ästhetisierung unverkennbar - viele genießen die Krise auch ganz unverhohlen, weil sie „das System“ bloßstellt. Die Sehweise des Theater- und Kinobesuchers ist so tief in uns eingepflanzt, dass wir die Gegenwart wie einen Katastrophenfilm erleben. Die basale Botschaft des Katastrophenfilms ist ja: Solange wir zuschauen, kann es nicht so schlimm sein. (Peter Sloterdijk, in: Robert Misik, „Nur Verlierer kooperieren“, Die Tageszeitung , 5.5.2009)


Archaeology records a series of civilizations that rose and fell as they depleted their bioregional resource base. (David Holmgren, Future Scenarios - How Communities Can Adapt to Peak Oil and Climate Change, S.6, 2009)


No civilization can survive the physical destruction of its resource base. (Bruce Sterling)


Wir Menschen verbrauchen die natürlichen Ressourcen mit einer Geschwindigkeit, dass wir geradewegs auf einen Kollaps zusteuern. (Mojib Latif, Nur die Sonne kann unsere Zukunft retten, Spiegel Online, 4.7.2009)


Without energy, societies collapse. (Guy R. McPherson, Linking the past with the present: resources, land use, and the collapse of civilizations, Nature Bats Last/Energy Bulletin, 5.10.2009; )


Bereits mit langfristig systemisch nicht mehr verdaubaren Energie- und Rohstoffpreisen beginnt die Abstiegs- oder gar Kollapsphase von Zivilisationen, Imperien oder Hochkulturen. (Eigenzitat/A. Röhrbein, EG)


Die Zauberlehrlinge der planetarischen Gestaltung haben die Erfahrung machen müssen, daß das Unberechenbare den strategischen Kalkülen um eine ganze Dimension voraus ist … Nach fatalen Unternehmen praktizieren die gescheiterten Akteure »die Kunst, es nicht gewesen zu sein«. Im Vorfeld der angekündigten Katastrophe sind analoge Muster am Werk: Vor fatalen Entscheidungen üben sich die Akteure auf der politischen Bühne in der Kunst, die Zeichen der Zeit nicht verstanden zu haben. (Peter Sloterdijk, Du mußt dein Lebe ändern - Über Anthropotechnik, S.704, 2009)


Die Umweltkrise wird unter Umständen noch größer als die Finanzkrise … Bei der Umwelt dürfen wir nicht warten, bis die Krise richtig ausbricht. (José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission, Auftakt der 59. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau, zit. in: Barroso - Umweltkrise könnte Finanzkrise übertreffen, Berliner Zeitung, 28.6.2009)


Jedes goldene Zeitalter geht einmal zu Ende. Und je glanzvoller es war, desto dramatischer fällt das Ende aus. (Fareed Zakaria, Der Aufstieg der Anderen, S.11, 2009)


The economic hard-liners could be right: There is no way to stop the train of global industrial capitalism (other than by crashing). (David Holmgren, Future Scenarios - How Communities Can Adapt to Peak Oil and Climate Change, S.105, 2009)


The danger zone is not something in the future. We’re in it now. (Myles Allen, University of Oxford)


Die Gefahr eines totalen Zivilisationsverlustes ist kein bloßes Hirngespinst. Das zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Immer wieder sind Hochkulturen gefallen. (Ulrich Kühne, Hallo Apokalypse, der Freitag, 5.3.2009)


Republiken enden durch Luxus, Monarchien durch Armut. (Baron Charles de Montesquieu, 1689-1755, Vom Geist der Gesetze, VII, 4, 1748)


Civilizations die from suicide, not murder. (Arnold J. Toynbee, A Study of History)


Bequem zurücklehnend auf eine automatisch Erkenntnis- und Wendepraxisbereitschaft- generierende Verschlechterung der Gesamtlage (vor allem in den frühindustrialisierten Ländern) zu spekulieren, widerspricht unseren Forschungserkenntnissen über Kriegsursachen und den Untergang noch aller bisherigen komplexen Kulturen der Menschheitsgeschichte. (Eigenzit./A. Röhrbein, EG, 15.6.2009)


Der Untergang kann schleichend kommen. (Günther Bachmann, 2006)


Look at the world around you. It may seem like an immovable, implacable place. It is not. With the slightest push - in just the right place - it can be tipped. (Malcolm Gladwell, The Tipping Point)


Kleine Ursachen, große Wirkungen! (Volksmund)


You think that because you understand „one“ that you must therefore understand „two“ because one and one make two. But you forget that you must also understand „and“. (Sufi teaching story)


See the world in terms of patterns and the structures that support the patterns and not just in random, freak events. ( Richard Brynteson, Once Upon A Complex Time: Using Stories to Understand Systems, 2006)


Es besteht kein Zweifel: Wir erleben momentan eine Phase der Enttäuschungen, eine Zeit zerbrechender Illusionen. Viele sind zutiefst verunsichert und schauen skeptisch in die Zukunft. Man wird den Eindruck nicht los, dass das Grundvertrauen in nicht wenige Verantwortliche in Gesellschaft, in Wirtschaft und Politik mehr und mehr verdunstet und mitunter ganz verschwindet: Bespitzelung in Unternehmen, Wirtschaftskrise, Amoklauf und weiterhin Hunger, Armut und Krieg auf dieser Erde. (Erzbischof R. Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Wir dürfen nicht aufhören, groß vom Menschen zu denken, 12.4.2009)


Wir müssen uns darauf vorbereiten, unsere gegenwärtige Lebensweise zu ändern. Dieser Wandel wird entweder geplant von uns selbst durchgeführt werden, oder er wird uns von den unerbittlichen Naturgesetzen, begleitet von Chaos und Leid, aufgezwungen werden. (Jimmy Carter, 1976)


III:

Das Einzige, worauf es in dieser Welt ankommt, ist immer mehr Geld und immer mehr Macht anzuhäufen. Alles andere ist ohne Bedeutung. (Napoleon Bonaparte, 1769-1821, französischer General, Staatsmann und Kaiser)


Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus unserem Leben zu machen. (George Bernard Shaw, 1856-1950, irischer Dramatiker, Politiker, Satiriker und Musikkritiker)


Der Wohlstand einer Nation kann nur schwerlich von der Höhe des Volkseinkommens abgeleitet werden. (Simon S. Kuznets, Ökonom, 1934)


Der Drang zur Reform des Weltfinanzsystems hat sich auch diesmal wieder ganz schnell verflüchtigt. Die Regierungen und die internationalen Organisationen haben nichts unternommen, um die Grundregeln entscheidend zu ändern. Deshalb ist die Möglichkeit, dass wir weitere Krisen erleben werden, sehr groß. (Paul Krugman, Wirtschaftsnobelpreisträger von 2008, 1999)


Eine globalisierte Welt ist keine heitere Welt. Sie können im Supermarkt billige und wunderbare Elektronikgeräte kaufen. Das ist gut und schön. Auf der anderen Seite müssen wir den Menschen sagen: Dein Leben ist voller Sorge, und eigentlich lebst Du in einer Lotterie. (Paul Samuelson, Wirtschaftsnobelpreisträger, 2005)


Die formale Betonung der Wirtschaft auf maximale Effizienz in der Allokation von Ressourcen, ein Grundpfeiler der wirtschaftlichen Globalisierung, führt zu künstlich homogenisierten monokulturell überformten Lebensräumen und einer maximalen Abhängigkeit der Menschen von äußeren, von ihnen nicht beeinflussbaren Faktoren … Wenn wir die eskalierenden Probleme betrachten, welche heute die Menschheit belasten, so sind sie im überwiegenden Maße eine Folge extremer Machtballungen und wirtschaftlicher Ungleichheit, dirigiert und forciert von einem lebensfeindlichen finanziellen Netzwerk, das, anstatt das Beziehungsgefüge zwischen den Menschen zu Gunsten der Menschen zu stärken, zum ‚unersättlichen’ Selbstzweck verkommen ist. Die Entkoppelung des unbegrenzten monetären Kapitalwachstums von der räumlich und stofflich begrenzten Erde treibt diesen Mechanismus mit voran. Die internationale Geldmenge kann und muss dringend stabilisiert und dynamisch in Lebensqualität stärkende und globale Versorgung fördernde Wirtschaftsaktivitäten gelenkt werden. (Hans-Peter Dürr/Daniel Dahm/Rudolf zur Lippe, Potsdamer Manifest, 10.2005)


Die Zuwächse in der Wirtschaft gingen vor allem auf das Konto der Besserverdienenden: den vielen Arbeitnehmern mit einem Durchschnittseinkommen geht es weit weniger gut. Dies kann zu großen sozialen Spannungen führen, letztlich sogar zu wirtschaftlichen Umbrüchen. (Alan Greenspan, Ex-Präsident der US-Notenbank und damit Mitverursacher, 2007)


Genauso wie der globale See- und Luftverkehr strikten Sicherheits- und Verkehrsregeln unterliegt, bedarf der globale Kapitalverkehr der Regulierung, damit Katastrophen vermieden werden. Das ist ein Gebot der vorsorgenden Vernunft - von Anstand und Moral ganz zu schweigen. (Helmut Schmidt, Ex-Bundeskanzler, 2007)


Die Werte der Wirtschaft widersprechen den Werten des Lebens und der Gemeinschaft. Der Vorrang für das Finanzkapital zerstört das ökologische und das Sozialkapital – und die Menschenwürde. (Christian Felber, Neue Werte für die Wirtschaft - Eine Alternative zu Kommunismus und Kapitalismus, S.10, 2008)


Die Krise kann unsere Wirtschaft und unser soziales Miteinander - die Art wie wir leben, das Vertrauen und den Optimismus, den die Menschen einander und unseren gemeinsamen Institutionen entgegenbringen - auf Jahrzehnte beschädigen. (Robert Shiller, US-Ökonom, 2008)


Wenn in Frankreich gekündigte Mitarbeiter Fabrikgebäude abfackeln oder, wie schon wiederholt, Geiselnahmen stattfinden, um Werksschliessungen zu verhindern, dann sieht das nicht mehr nach rein wirtschaftlichen Problemen aus … Nicolas Sarkozy, der Präsident, hat es in seiner Amtszeit ja schon öfters geschafft, sich – nicht zuletzt mit Urlauben auf Yachten seiner reichen Freunde – als Kumpan der Grossfinanz zu präsentieren … wie Banker und Manager mit beinahe krimineller Energie den momentanen Kollaps vor den Augen der Aufsichtsbehörden vorbereitet haben. Das Gefühl, unfair behandelt worden zu sein, ist da fast unvermeidlich. Wer dann auch noch seine Existenz verliert und mal kurz darüber informiert wird, dass er nun nicht mehr gebraucht wird, vielen Dank und tschüss, der kann seine Fassung durchaus verlieren. Ein Gewaltausbruch ist da auf alle Fälle nicht mehr fern, auch wenn dieser nichts bringt und lediglich die Haut der Zivilisiertheit weg sprengt und den Vertrag zerreisst, der ein friedliches, sicheres Zusammenleben gewährt. (Patrik Etschmayer, Die dünne Haut der Zivilisiertheit, 23.4.2009)


Wirklich besorgniserregend ist die Machtlosigkeit der Politik … Aber es geht hier nicht um eine Weltwirtschaft, die ein Problem hat und neuer Regeln bedarf. Die Weltwirtschaft ist außer Kontrolle geraten. Und zwar in einem Maß, das sich vielleicht immer noch unserer Vorstellungskraft entzieht. (Paul Krugman, 12.3.2009)


Noch erscheint die Regierung beherzt auf der Kommandobrücke - aber ist es nicht die Brücke der „Titanic“, die hier mit voller Kraft und ohne Kenntnis des sicheren Kurses durch die Eislandschaft gesteuert wird? (Philosophisches Quartett, Zeitenwende - Was hält die Gesellschaft noch zusammen?, zdf.de, 7.6.2009)


Europa wird unter den Folgen der Krise viel stärker leiden als Amerika … Es kann in diesem Sommer noch zu einer großen Explosion im Finanzsystem kommen … Wenn wir das weiter denken, kann man sagen: Wir leben zurzeit im April 1931. Und Sie wissen, was danach geschah. Im Sommer 1931 brachen wichtige amerikanische Banken zusammen und lösten die europäische Superkrise aus. Das war der Killermoment. Ich bin sehr besorgt, dass Ähnliches wieder geschieht. Und das Schlimmste ist dieser deutsche Optimismus. Offenbar wissen die Deutschen nicht genau, wie schwer diese Krise ist … Die Deutschen sind in einer viel schlimmeren ökonomischen Lage, als sie glauben. (Niall Ferguson, zit. in: Jacques Schuster, „Die Finanzkrise ist lange nicht überwunden“, Welt Online, 28.6.2009)


Our civilization has collectively sleep-walked itself into a totally unsustainable position, one that is in large measure a death trap for ourselves and other species. The deeper we dig ourselves into this hole, the fewer escape routes remain. The systems and structures we have created are funneling us towards a vanishing point that is now becoming clear to many, just as the machine begins to fail. (Paul Chefurka, Transfiguration, Planet Thoughts.org, 22.10.2009)


1972 haben die Autoren des Berichts den dringenden Appell an die Menschheit gerichtet, das gesamte System rechtzeitig umzustellen, um die Chancen für eine nachhaltige Entwicklung zu wahren. Damals wäre das noch möglich gewesen; heute ist es zu spät dazu. Wir leben in einer Phase, die Systemtheoretiker mit »overshoot and collapse« kennzeichnen, was nichts anderes meint als das Überschreiten von Grenzen mit anschließendem Zusammenbruch. Finanzkrisen durch irreale Optionen auf eine Zukunft, die es nicht geben wird, finden immer kürzeren Abständen statt und sind ein Indiz für den sich anbahnenden Systemwandel bzw. den Zusammenbruch … Man hofft auf den sogenannten technischen Fortschritt und übersieht dabei, dass dessen Grundlagen, die ökologische Tragfähigkeit der Erde und der soziale Zusammenhang der Menschen, zunehmend verloren gehen. (Hermann Knoflacher, Virus Auto - Die Geschichte einer Zerstörung, S.190, 2009)


Only Aliens can save us from Collapse. (Graham Strout on Dmirty Orlov, Zone5.org, 7.2009)


IV:

M.-S.: Herr Sloterdijk, Rilke ist der Gewährsmann Ihres Buches, ein anderes Rilke-Zitat, ein berühmtes, lautet: „Wer spricht von Siegen? Überstehn ist alles.“ Wenn man das jetzt zusammen denkt mit dem Imperativ „Du mußt dein Leben ändern“, könnte man sagen, na ja, selbst wenn uns das gelingen wird, wir haben keine Garantie, auch wenn wir unser Leben ändern, dass wir unbedingt dabei glücklich werden, weil von Sieg kann keine Rede sein, Überstehen ist das Motto. Wäre das nicht eine realistischere Option für die Zukunft? S.: Es ist ja bereits für uns eine Situation eingetreten, wo die Vertagung der Selbstzerstörung bereits als ein riesenhafter Erfolg wahrgenommen würde. Insofern gilt auch der zweite Satz buchstäblich. Von Siegen im Sinne einer großen Gestaltungsvision, wie der Kommunismus des 19. Jahrhunderts sie formuliert hat, kann heute ja nicht mehr die Rede sein. Also es geht gar nicht mehr um gestalten, sondern es geht darum, wie man das Datum der Selbstzerstörung ein wenig aufschiebt, um Spielräume für irgendetwas Gestaltungsartiges in der Zukunft noch zu eröffnen. Man muss das ganz ernst nehmen, weil jetzt zum ersten Mal so etwas wie eine apokalyptische Endspielsituation eingetreten ist. Wir haben immer geglaubt, die Apokalypse ist nur eine symbolische Struktur oder eine Schreibweise für Texte, mit denen Fanatiker sich selber aufputschen wollen. Wir bekommen aber inzwischen von unseren Freunden, den Meteorologen, von unseren Freunden, den Ozeanografen, von den Wirtschaftsstatistikern, von den Demografen aus allen möglichen Bereichen, in denen äußerst nüchterne Personen Forschung betreiben, wir bekommen von allen Fronten relativ gleichzeitig gleichlautende Hinweise darauf, dass im Augenblick die Krisenspannung an 20 Fronten gleichzeitig steigt. (Peter Sloterdijk, in: Ralf Müller-Schmid, Peter Sloterdijk: Spielräume eröffnen, Deutschlandradio Kultur, 2.6.2009)


Erleben wir nach 1989 heute im Jahre 2009 die zweite Weltrevolution? Vor 20 Jahren brach völlig unerwartet die Berliner Mauer, dann die sozialistische Sowjetunion, schließlich die bipolare Weltordnung des Kalten Krieges zusammen. In diesem Jubiläumsjahr droht nun ironischerweise genau das Modell des Kapitalismus, dessen Sieg damals gefeiert wurde – die Vorstellung, der freie Markt sei die Lösung –, zu zerfallen. Dieses Mal aber droht der Zusammenbruch die Europäische Union mit sich zu reißen … Die Arbeitslosigkeit explodiert global. Die Druckwellen sozialer Unruhen und Fremdenfeindlichkeit erschüttern bereits Europa. Und plötzlich geistert auch noch das Gespenst gescheiterter Staaten durch das Europa des Wohlstands und der Sicherheit … Und die völkischen Verführer von rechts reiben sich die Hände. (Ulrich Beck, Mein Gott, was für eine Chance!, Die Zeit, 19.3.2009)


The theory states that the United States and the Soviet Union will have collapsed for the same reasons, namely: a severe and chronic shortfall in the production of crude oil (that magic addictive elixir of industrial economies), a severe and worsening foreign trade deficit, a runaway military budget, and ballooning foreign debt. I call this particular list of ingredients »The Superpower Collapse Soup«. (Dmitry Orlov, 2.2009)


LOL Ob wir von einer einzelnen Person oder einer ganzen Gemeinschaft sprechen, für beide kann plötzlicher, unerwarteter Reichtum verheerende Folgen haben … Sein Genuss führt sehr schnell zu neuen Angewohnheiten und Erwartungen. Diese Verhaltensweisen werden von einer irrationalen Gleichgültigkeit gegenüber allen Fragen von Nützlichkeit oder Verschwendung begleitet. In diesem Prozess entwickeln Einzelpersonen und die Institutionen ganzer Gesellschaften Handlungsweisen, die sich durch Übermaß und Verschwendung auszeichnen; und obwohl jede einzelne Geschichte unterschiedlich ausgeht, so steht doch zu erwarten, dass die betrofffenen Gruppen noch lange nach dem Ende des Wohlstandsregens alles Mögliche versuchen - Borgen, Schnorren, Spekulieren -, um doch noch mit ihren privaten oder öffentlichen, von Übermaß und Verschwendung geprägten Verhaltensweisen fortfahren zu können. Das Ergebnis ist dann bestenfalls eine gewisse gesellschaftliche Auflösung, schlimmstenfalls der totale Zusammenbruch. (Barbara Ward, 1977, )


Die gegenwärtigen Debatten darüber, wo und wie wir in diesem Land nach Öl bohren sollen, werden bald irrelevant werden im Angesicht einer Nation, die verzweifelt versucht, ihre Lebensqualität und ökonomische Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. (Senator Mark Hartfield, 1990)


Nichts kann auf der Erde geschehen ohne Energieumwandlung und Entropieproduktion. Folglich wird Energieknappheit die Industrieproduktion drosseln … befürchte ich kolumbianische Verhältnisse für die ganze Welt, wenn wir nicht schnell und energisch gegensteuern. Dazu müssen wir verstehen, wie die Naturgesetze das Wirtschaftsgeschehen beeinflussen und dass der Wohlstand der Industriegesellschaften auf kreativer Energienutzung beruht. Das wird auch technologische Wege zur Vermeidung von Energie- und Umweltkrisen aufzeigen. Ohne die entschlossene Erschließung deser Wege laufen wir Gefahr, die Herrschaft des Rechts an die Herrschaft der Gewalt zu verlieren. (Reiner Kümmel, 2003)


This steep rise in the buying power of oil led to one of the most abrupt transfers of wealth in history. (Lester Brown, Does Saudi Arabia Have the United States Over a Barrel?, theGlobalist.com, 29.4.2004)


The Western worldview is, in certain respects, structurally ‚out of balance‘. It supports a thin, instrumental, view of the world which, though successful in the short term, cannot be maintained in the long term. Dominant political and economic powers in the world are generally not interested in the real future. Their short-term agendas and habit of ‚bounded rationality‘ serve to perpetuate destructive and unsustainable views, practices and systems everywhere. (Richard A. Slaughter, Futures Beyond Dystopia: Creating Social Foresight, S.10, 2004)


Auf die Idee, es handele sich hier möglicherweise um etwas anderes als eine ‚Krise‘, kommt offenbar niemand. (Harald Welzer, 29.12.2008)


Wir befinden uns nicht in der üblichen Wirtschaftskrise, sondern in einem tiefgreifenden Wandel unseres Zivilisationsmodells. (Claus Leggewie, Schrumpfen statt wachsen, Spiegel Nr.24/2009, 8.6.2009)


Wir brauchen eine grundsätzlich andere Sichtweise. Kräfte wie Klimawandel, Hunger, Krankheiten und Wassermangel, welche die Gesellschaft als Probleme behandelt, sind eigentlich NICHT-Probleme. Es sind vielmehr Symptome. Das Problem ist das Wachstum auf einem endlichen Planeten. Solange es Wachstum gibt, wird der Druck irgendwo ansteigen. (Dennis L. Meadows, Technologie allein wird die Welt nicht retten, in: EnergieZukunft, 2008)


Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Börsen unter zu hohem Öldruck leiden. (Daniel Schlauri, CEO, Bank Hugo Kahn, 2008)


Das Ende des Öl- und des ökonomischen Wachstums-Zeitalters hat mit dem Mangel an ausreichenden und/oder bezahlbaren Erdölfördermengen in den Jahren von 2006 bis Mitte 2008 bereits kollapsartig und unwiderruflich begonnen. (Eigenzitat/A. Röhrbein, EG)


Es ist eine schwere und tiefe Krise, die es in diesem Ausmaß eigentlich nur einmal alle 100 Jahre geben dürfte, wenn überhaupt. Jetzt ist jeder betroffen, überall auf der Welt. Und diese Krise ist so bedrohlich, weil gerade zwei Dinge gleichzeitig passieren. Da ist zum einen die sehr schwere globale Finanzkrise … Das Problem ist: Einige Banken sind zu groß, um zusammenzubrechen. Andere aber sind zu groß, um gerettet werden zu können … Es wird einen regelrechten Tsunami der Staatsverschuldungen geben … Dazu kommt aber, und das ist neu, eine gigantische Rezession … es wird zu sozialen Unruhen, zu Gewalt, zu Regierungskrisen kommen. Vielleicht werden auch Regierungen stürzen. (Nouriel Roubini, 2.2009)


Man bleibt pragmatisch bei der Überzeugung, mit dem Ernstnehmen könne man sich Zeit lassen. Überdies: Eine Person, die die Zeichen am Horizont persönlich nehmen wollte - müßte sie nicht sofort unter ihren Sorgen zusammenbrechen? Nichtsdesto- weniger werden die Zeitgenossen sich früher oder später davon überzeugen, daß es kein Menschenrecht auf Nicht-Überforderung gibt - so wenig wie ein Recht darauf, nur solchen Problemen zu begegnen, deren Lösung man mit den Bordmitteln bewältigt. Man mißversteht die Natur des Problematischen, wenn man als solches nur gelten läßt, was Aussicht darauf hat, in der laufenden Legislaturperiode bewältigt zu werden. (Peter Sloterdijk, Du mußt dein Lebe ändern - Über Anthropotechnik, S.705, 2009)


V:

We have only two modes — complacency and panic. (James R. Schlesinger, first us-energy secretary, on the country’s approach to energy, 1977)


Making mistakes in centuries and generations past would have consequences that we could overcome. We don’t have that luxury anymore. (Al Gore, An Inconvenient Truth, 2006)


I think all of us here today would acknowledge that we’ve lost that sense of shared prosperity. (Barack Obama, 27.3.2008)


Wir stehen vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung unseres Lebens. (Barack Obama, US-Präsident, 2.2009)


65 Prozent der in den Vereinigten Staaten für die Stromerzeugung verbrauchten Energie gehen verloren (Carnegie Mellon University) … Im August 2003 kam es zum grössten Stromausfall in der Geschichte Nordamerikas. Über 50 Millionen Menschen, darunter alle Einwohner New Yorks, hatten keinen Strom … Das veraltete US-Netz kostet die Gesellschaft geschätzte 206 Milliarden US-Dollar pro Jahr. (Al Gore, Wir haben die Wahl, S.257/276, 2009)


Unser System ist schwerfälliger geworden in den vergangenen 50 Jahren. Die Macht der Wirtschaftslobby und die Dominanz des Fernsehens haben im politischen Prozess zu Volksferne und einer Re-Feudalisierung geführt. (Al Gore, zit. in: Gregor Peter Schmitz, Der Klimamissionar, Spiegel Online, 7.12.2009)


Es wird Mitte des 21. Jahrhunderts auf der ganzen Welt wahrscheinlich sozialistische Regierungen geben. Aber die Aufgabe zukünftiger sozialistischer Regierungen bestünde nicht mehr länger darin, Katastrophen zu verhindern, sondern im Versuch, diese zu überleben, während sie stattfinden. (Minqi Li, marxistischer Ökologe und Weltsystemtheoretiker, zit. in: Tomasz Konicz, Kapitalistische Klimakrise, junge Welt.de, 12.1.2010)


Ich glaube, dass Banken für unsere Freiheit gefährlicher sind als Armeen = I believe that banking institutions are more dangerous to our liberties than standing armies. If the American people ever allow private banks to control the issue of their currency, first by inflation, then by deflation, the banks and corporations that will grow up around [the banks] will deprive the people of all property until their children wake-up homeless on the continent their fathers conquered. The issuing power should be taken from the banks and restored to the people, to whom it properly belongs. (Thomas Jefferson, 1743 - 1826, 3.US-Präsident, Letter to the Secretary of the Treasury Albert Gallatin, 1802)


:!:Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation, und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als die Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als Volksfeinde, die ihre Methode in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen,und die Geldmacht des Landes wird danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern, bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republick vernichtet ist. (Abraham Lincoln, US-Präsident, 1864)


:-/25 überwiegend US-amerikanische Banken sind für 72 Prozent der als »subprime« bekannt gewordenen Schrotthypotheken im Volumen von 998 Milliarden Dollar verantwortlich … Trotz der Gründung eines sogenannten unabhängigen Untersuchungsausschusses, der die Ursachen der Finanzkrise aufklären soll, scheint auch der US-Kongreß an einer Aufklärung nicht ernsthaft interessiert. Der Untersuchungsbericht soll erst Ende 2010 vorgelegt werden. Den Grund für dieses Desinteresse kann man in dem oben erwähnten CPI-Bericht finden: Die Banken, die die Schrotthypotheken gebündelt und verkauft haben, zahlten in den zurückliegenden Jahren insgesamt 370 Millionen Dollar an Wahlspenden für Kongreßabgeordnete beider Parteien. Damit wurden mit Erfolg neue Gesetze zur Regulierung des zunehmend »exotischen« US-Finanzsektors verhindert. Zugleich haben sich diese Spenden im Rahmen des 2008 vom Kongreß abgesegneten, 700-Milliarden-Dollar-Hilfsprogramms für die Banken, mehr als bezahlt gemacht: Insgesamt bewilligte das US-Finanzsystem für 2008 seinen Bossen 18 Milliarden Dollar an Boni. Aus Steuergeldern selbstverständlich. (Rainer Rupp, Das Schneeballsystem, junge Welt, 13.5.2009)


Wer Schulden hat, muss auch notwendig lügen. (Herodot, 485-425 v.Chr., griech. Historiker, Historien 1, 138, 1)


Weltweit glauben die Bürger, wir lügen sie an - und sie haben Gründe, so zu denken. (Nicolas Sarkozy, französischer Staatspräsident, Rede an der Pariser Sorbonne, 9.2009; )


Der Fundamentalismus der Globalisierer ist genauso gefährlich wie der islamische Fundamentalismus oder der kommunistische Fundamentalismus. (Michail Gorbatschow, in: „Eine Charta für die Erde“ - Franz Alt im Gespräch mit dem Präsidenten des Grünen Kreuzes, Eco-World.de, 17.2.2000))


Der ungebremste Wirtschaftsliberalismus hatte sich spätestens mit dem Schwarzen Freitag 1929 weltweit diskreditiert. (Georg Gruber, „Entfernte Verwandtschaft“ - Parallelen zwischen Faschismus, Nationalsozialismus und New Deal, Deutschlandradio Kultur, 17.5.2005)


Wer die Kapitalisten vernichten will, muß ihre Währung zerstören. (Wladimir Iljitsch Lenin)


Alles, was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, daß sie es von anderen haben wollen. (Konrad Adenauer)


Wir haben dreißig, vierzig Jahre hart gearbeitet, um unsere Länder nach oben zu bringen, und dann kommt jemand mit ein paar Milliarden US-Dollar daher und zerstört innerhalb von zwei Wochen unser Werk. (Mahathir Mohamad, Premierminister von Malysia, 1997, , , )


Kommende finanz-wirtschaftliche Raubzüge der quasi vogelfreien Abzocker-Eliten würden die nationalen Gesellschaften und unser existenzielles globales Zivilisations-Netzwerk zerstören! (A. Röhrbein, EG, Eigenzitat, 2006)


Wer die Menschen ruinieren will, braucht ihnen nur alles zu erlauben. (Kaiser Napoléon I. Bonaparte)


The chief executive of one of Germany’s biggest banks is pessimistic about the chance of early recovery in the financial sector, believing banks will be affected for another two years by the “ugliest” part of the credit cycle. (NordLB chief warns of ‘ugly’ years, Financial Times, 24.5.2009)


Die Gedanken der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken, d.h. die Klasse, welche die herrschende materielle Macht der Gesellschaft ist, ist zugleich ihre herrschende geistige Macht. (Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, MEW3, S.46, 1846/1932)


Überlassen wir die Physiker, die Mathematiker und die Philosophen sich selber, treiben wir sie endgültig in die Ghettos ihrer Fachgebiete zurück, wo sie hilflos und unbemerkt den Raubzügen der Techniker und der Ideologien ausgeliefert sind; Raubzüge, die immer stattfanden und immer wieder stattfinden. (Friedrich Dürrenmatt, Albert Einstein - Ein Vortrag, 1979)


Das 20.Jahrhundert war eine stürmische Epoche. Vielleicht wird es als das »Goldene Zeitalter« menschlichen Erfindergeistes in die Geschichte eingehen, aber auch als das der menschlichen Torheit. Als potenziell tödliche Megaparty. Aber das 21.Jahrhundert ist das Jahrhundert, das uns im fahlen Licht der Dämmmerung erkennen lassen wird, ob unsere Art die Ressourcen hat, mit den Konsequenzen zu leben und den Schaden wiedergutzumachen. Wir haben einen erbärmlichen Riesenkater vor uns. (Fred Pearce, 2008)


Kurzum: nicht nur die Wirtschafts- und Finanzsphäre selbst, auch die Wirtschafts- und Finanzwissenschaften beben und kollabieren. Zur Diskussion, ja, zur Disposition stehen ihre allerheiligsten Konzepte: die Invisible Hand des freien Marktes, der Homo oeconomicus und das Rational-Choice-Modell. Dieses dreieinige Konzept läuft auf die immergleiche Annahme hinaus: dass sich die Güter- und Finanzmärkte ebenso wie die auf ihre eigenen Vorteile bedachten Marktteilnehmer rational verhalten und deshalb Gleichgewichtszustände zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. (Jochen Hörisch, Oh, unsichtbare Hand, rette meinen Kredit!, Literaturen.de, 01/2009)


Die ‚invisible hand‘ hatte, schon im 17. Jahrhundert, eine Fortschrittsgarantie symbolisiert. Nachdem sie zunehmend unter Arthrose zu leiden begann, übernahm das Desiderat des wirtschaftlichen Wachstums selbst diese Funktion … Den Politikern und der öffentlichen Meinung wird folglich suggeriert, Wirtschaftswachstum sei notwendig, sei eine Bedingung gesellschaftlicher Stabilität. (Niklas Luhmann, Die Wirtschaft der Gesellschaft, Kapitel 3.IV, 1988)


Ende der Freiheit durch Wachstum … Vernichtung durch Wachstum. (Leopold Kohr, 2003)


Wir haben uns eingeredet, permanentes Wirtschaftswachstum sei die Antwort auf alle Fragen. Solange das Bruttoinlandsprodukt wächst, so die Logik, können wir alle Ansprüche finanzieren, die uns so sehr ans Herz gewachsen sind – und zugleich die Kosten dafür aufbringen, dass wir uns auf eine neue Welt einstellen müssen … Wir können uns nicht mehr hauptsächlich auf wirtschaftliches Wachstum als Problemlöser und Friedensstifter in unseren Gesellschaften verlassen. (Bundespräsident Horst Köhler, Die Glaubwürdigkeit der Freiheit, Berliner Rede, 24.3.2009)


Der Gedanke, daß Wachstum an sich gut sei, ist ein Trojanisches Pferd, aber mit den Vorrechten einer heiligen Kuh und diese Vorrechte bedürfen einer kritischen Überprüfung. (Prof. Preston Cloud, 1912-1991, US-amerikanischer Paläontologe/Geograph, 1970)


Wachstum hat religiösen Charakter. (Harald Welzer, Kulturwissenschaftliches Institut Essen, zit. in: Dagmar Dehmer, „Wachstum hat religiösen Charakter“, Zeit Online, 15.6.2009)


Schneller, höher, weiter - bis zum Kollaps. (Dirk Müller, ’Mr. Dax’, Crashkurs, 2009)


For years statistics have registered an increasingly strong economic growth as a victory over shortage until it emerged that this growth was destroying more than it was creating. (Nicolas Sarkozy, Rede an der Sorbonne, zit. in: Lizzy Davies, Sarkozy attacks focus on economic growth, guardian.co.uk, 14.9.2009)


Offen gesagt, wir könnten zu dem Punkt gelangen, an dem der einzige Weg, die Erde zu retten, der Kollaps der industriellen Zivilisation wäre. (Maurice Strong, erster Chef des UN-Umweltprogramms UNEP und Organisator der Rio-Konferenz)


Worum geht es eigentlich – um eine Bedrohung für unseren Wohlstand oder um die Gefährdung unserer Lebensgrundlagen? (Ottmar Edenhofer, in: Klimakongress in Essen: Suche nach der Notbremse, Der Westen.de, 10.6.2009)


Actually, the problem in the world is that there is much too many rich people… (Paul R. Ehrlich, zit. in: Associated Press, 6.4.1990)


If we fail to bring population growth and overconsumption under control, then we will inhabit a planet where life becomes increasingly untenable. (Paul R. Ehrlich and Anne H. Ehrlich, Too Many People, Too Much Consumption, environment 360, 4.8.2008)


Ökonomen machen es sich zu leicht, wenn sie uns in stürmischen Zeiten nur sagen können, dass das Meer wieder ruhiger sein wird, sobald der Sturm vorüber ist. (John Maynard Keynes, brit. Ökonom, 1923)


Wir können nationale Leistung nicht anhand des Bruttosozialprodukts messen. Das Bruttosozialprodukt enthält Luftverschmutzung, Werbung für Zigaretten und Rettungen, die die Autobahnen von Blutbädern reinigen müssen … Es schwillt mit der Ausstattung für die Polizei, die notwendig ist, um Aufständen in unseren Städten Einhalt zu gebieten; und obwohl es durch den Schaden, die diese Aufstände anrichten, nicht verringert wird, steigt es noch immer, wenn Slums auf ihrer Asche wieder aufgebaut werden … Und obwohl das Bruttosozialprodukt all dies enthält, gibt es vieles, das nicht erfasst wird. Es berücksichtigt nicht die Gesundheit unserer Familien, die Qualität ihrer Erziehung oder die Freude ihres Spiels … Es berücksichtigt weder Gerechtigkeit in unseren Gerichten, noch wie gerecht wir miteinander umgehen … Es misst alles, außer diejenigen Dinge, die das Leben lebenswert machen. (Robert Kennedy, 1967)


Jedem bedürftigen Deutschen einen Ninja-Kredit, dem medizinisch-industriellen Komplex so viel wie möglich Diabetiker-etc.-Deutsche, mal ein ordentliches (notfalls technisch ausgelöstes) Erdbeben in der industrialisierten Oberrheingrabenregion, der Supergau eines deutschen AKWs, regelmäßig ansehnliche Orkanstürme über Deutschland, drei bis fünf weitere internationale Kriegsstandorte für den deutschen militärisch-industriellen Komplex und eine permanente Umwelt-Abwrack-Prämie für alle älteren Konsum- und Gebrauchsprodukte: Ach, wir bräuchten uns doch für viele Jahre einfach keine Gedanken mehr über das Wachstum unseres BruttoSozial-Produkts machen. (A.Röhrbein, EG, Eigenzitat)


Engels erzählt, wie er gegenüber einem Fabrikanten in Manchester bemerkte, er habe nie eine schlechter gebaute und schmutzigere Stadt gesehen: Der Mann hörte schweigend bis zum Schluss zu und sagte, als wir uns an einer Ecke trennten: „Und trotzdem kann man hier eine Menge Geld machen. Guten Morgen, Sir“. (Kirkpatrick Sale, Rebels Against the Future - the Luddites and their War on the Industrial Revolution, S.58, 1995)


Es ist unerträglich, dass die wichtigsten Fragen des menschlichen Lebensunterhalts allein auf der Basis des Profits transnationaler Unternehmen entschieden werden. (Herman E. Daly/John B. Cobb Jr., For the Common Good, S.178, 1994)


Sich vom egoistischen Verhalten der einzelnen Akteure den größten Profit für das Gemeinwohl zu erwarten, ist die Lebenslüge des Kapitalismus. (Christian Felber, österreichischer Hochschullehrer, Buchautor, freier Publizist und Referent zu Wirtschafts- und Gesellschaftsfragen)


Die modernen Demokratien sind geformt von Weisheiten wie der des Augustinus: Staaten, hat er gesagt, die nicht der Idee der Gerechtigkeit folgen, sind nichts anderes als große Räuberbanden. (Tissy Bruns, Das Ansehen der Wirtschaft ist in höchster Gefahr, Tagesspiegel.de, 1.11.2009)


VI:

Die Zeichen standen lange auf Sturm. Es wollte nur niemand zuhören. In der falschen Euphorie der vergangenen Jahre liefen doch alle der Herde hinterher. (Nouriel Roubini, 2.2009)


Ein Übermaß an Problemen bei gleichzeitig fehlenden Lösungsmöglichkeiten führt zu dem, was die Psychologie kognitive Dissonanz nennt. Sie kann nur reduziert werden, wenn man statt der Probleme die Einstellung zu ihnen bearbeitet. (Harald Welzer, 29.12.2008)


Toffler’s shortest definition of FUTURE SHOCK is a personal perception of »too much change in too short a period of time«. (Wikipedia, Future Shock)


Oft ist die Zukunft schon da, ehe wir ihr gewachsen sind. (John Steinbeck)


Verfassungsregeln, Strafgesetze, das Zivilrecht, religiöse Vorschriften, Sitten und Gewohnheiten all das ist ineinander verwoben und beeinflusst und ergänzt sich gegenseitig. Wer da unüberlegt ändert, gefährdet seine Regierung und die Gesellschaft. ((Baron Charles de Montesquieu, 1689-1755)


Die Welt ist in keiner Weise auf den Untergang des Kapitalismus vorbereitet. Es könnte sehr unangenehm werden, wenn er jetzt schon in große oder gar tödliche Schwierigkeiten käme. (Robert Havemann)


Keine Demokratie der Welt kann dafür einstehen, wenn Ressourcen knapper und damit teurer werden; wenn sie Vertrauen erhalten will, muss sie paradoxerweise sagen, dass sie es nicht kann. Wie verheerend wird es sich also auf die Demokratie in der Bundesrepublik auswirken, wenn bis in die Mittelschichten hinein steigende Energiekosten den Lebensstandard sinken lassen? (Harald Welzer, 10.2008)


Eine Zivilisation, die vergessen hat, warum sie entstanden ist, hat schlechte Karten, dem Ausbruch der Barberei zu widerstehen. (Peter Schneider)


Irgendwann im 10. Jahrhundert in Mittelamerika hörte das Volk der Maya auf, Städte zu gründen, Kunstwerke zu erschaffen, Kriege zu führen. Der Urwald überwucherte die Metropolen dieser Hochkultur voller Prachtbauten, die von fortgeschrittener Wissenschaft und Wirtschaft zeugen. Als Jahrhunderte später die europäischen Eroberer ins Land kamen, wollten sie nicht glauben, dass die Bewohner der archaischen Dörfer, die sie vorfanden, die Nachkommen der Erschaffer dieses Großreichs waren. (Ulrich Kühne, Hallo Apokalypse, der Freitag, 5.3.2009)


Alle Entwicklung ist bis jetzt nichts weiter gewesen als ein Taumeln von einem Irrtum in den anderen. (Henrik Ibsen, 1828-1906)


Der heutige Mensch lacht über den Unverstand seiner Vorfahren und beginnt mit stolzem Selbstvertrauen eine Reihe von neuen Verwirrungen, über die dann wieder die Nachkommen lachen werden. (Nikolai Gogol, 1809-1852)


A decline of the middle class already evident in many Western countries accelerates, leading to discontent and suppression by governments including internment camps either for migrants or for homeless people. (David Holmgren, Future Scenarios - How Communities Can Adapt to Peak Oil and Climate Change, S.65, 2009)


Die Zivilisation ist nichts anderes als ein Farbanstrich, der vom nächsten Regen weggewaschen wird. (Auguste Rodin)


Die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei ist nur schwer zu ziehen: Stecken Sie sich einen Ring in Ihre Nase, und Sie sind eine Wilde; stecken Sie sich zwei Ringe in Ihre Ohren, und Sie sind zivilisiert. (Pearl S. Buck, 1892-1973, US-amerikanische Schriftstellerin und Literatur-Nobelpreisträgerin)


VII:

More British soldiers are in prison than serving in Afghanistan … Shocking figures show nearly one in 10 prisoners in England are veterans … Gulf war veteran traumatised by combat in Iraq is forced to live on the streets. (20,000 neglected ex-servicemen are either in jail or on probation, Daily Mail Online/U.K., 26.9.2009)


Every time a child plays an interactive video game, he is learning the exact same conditioned reflex skills as a soldier or police officer in training. (Lt. Col. Dave Grossman, Trained to Kill - Are We Conditioning Our Children to Commit Murder?, Christianity Today, 10.8.1998)


Weder die Unterhaltungsindustrie noch sonst jemand kann uns irreführen: Unsere Kinder werden täglich mit einer steten Dosis Gewalt gefüttert, die sich bezahlt macht. Inzwischen haben Studien aus 30 Jahren gezeigt, dass diese Dosis unsere Kinder gegenüber Gewalt und ihre Folgen destabilisiert. Wir wissen jetzt, dass das typische amerikanische Kind im Alter von 18 Jahren Darstellungen von 200.000 Gewalttaten und 40.000 Morde gesehen hat. Kinder werden davon angezogen und stumpfen ab. Mit dem zunehmenden Konsum von Gewaltdarstellungen nimmt aber auch, in einigen zutiefst beunruhigenden Fällen von besonders anfälligen Kindern, der Geschmack daran zu. Wir sollten nicht darüber erstaunt sein, dass die Hälfte der Videospiele, die ein typischer Siebtklässler spielt, gewalthaltig sind… Was die Studien aussagen, ist einfach, dass sich die Grenze zwischen dargestellter und realer Gewalt, die für die meisten Erwachsenen klar ist, bei anfälligen Kinder auflösen kann. Kinder, die in einer Kultur der Gewalt aufwachsen, werden de-sensibilisiert und laufen Gefahr, selbst Gewalt auszuüben. Deshalb habe ich die Verantwortlichen aus der Unterhaltungsindustrie vehement gedrängt, die Konsequenzen ihrer Produkte und die Werbung dafür zu überdenken. Man kann das im ersten Verfassungsgrundsatz verankerte Recht auf Redefreiheit bewahren und trotzdem gleichzeitig unsere Kinder schützen und sich zurückhaltend verhalten. (US-Präsident Bill Clinton, 1.6.1999)


The Explosion of the Visual Mass Media … Simultaneous Increases in Real Violence and Media Violence … The Increase in Youth Violence … The Learning of Aggression … Why is exposure to violence related to violent behavior? … Emotional desensitization … The time has come to act. Parents need to take more control. The public must pressure sponsors, producers, and regulators to care about violence, and these people must act. The future of our children and society is too precious for us not to act. (L.Rowell Huesmann, Screen Violence and Real Violence - Understanding the Link!, The University of Michigan, 25.9.2003)


Dachte man früher, beim Dopamin-System handle es sich um das Lust-System oder das Sucht-System, das durch Kokain-Injektion, Schokolade oder schöne Musik aktiviert wird, so wurde gerade in jüngster Zeit immer deutlicher, dass es sich um das Bedeutungs-Generierungs-System bzw. das Lern-System handelt. Vor diesem Hintergrund wird die Bedeutung einer Studie deutlich, die bereits im Jahre 1998 mittels Positronenemissionstomographie (PET) durchgeführt wurde und die eine um mindestens 100% gesteigerte Dopaminfreisetzung beim Spielen eines Gewalt-Videospiels zum Ergebnis hatte … Und je besser es gespielt wurde, desto aktiver war das Dopaminsystem … Die meisten Video- und Computerspiele dienen also dazu, dass Gewalt, Verrohrung und Geschmacklosigkeit aktiv trainiert werden … Sie üben aggressive Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen … Aggressive Handlungen gegenüber anderen werden ebenso trainiert wie die Erwartung, dass andere aggressive Akte ausführen werden. Gelernt wird die positive Einstellung gegenüber Gewalt und die Meinung, dass gewalttätige Konfliktlösungen effektiv und sinnvoll sind. (Manfred Spitzer, Vorsicht Bildschirm!, S.214-218, 2005)


Ein Jahr nach seinem Eintritt in den Schützenverein und elf Tage nach Verlassen der Schule erhielt Robert Steinhäuser seinen Waffenschein. Er erwarb noch am selben Tag seine Pistole und am Folgetag 1000 Schuss Munition - kurz darauf die Pumpgun … Dadurch, dass beide Waffen von Robert auch regelmäßig in Ego-Shootern Verwendung finden, ist zudem anzunehmen, dass sich durch das nun real zu jeder Zeit mögliche Fühlen der Waffen bei Robert Assoziationen von Wohlgefühl (er hatte gerne gespielt) und Gewaltanwendung (häufige Tötung mit der analogen virtuellen Waffe) einstellten … Bei der dunklen Sturmmaske handelte es sich keineswegs um eine ‚Ninjamaske‘, sondern um eine Vermummung, die bei den Protagonisten realitätsnaher Ego-Shooter oft Verwendung findet. Dadurch vereinfachte sie den Rollenwechsel vom Schüler zum anonymen und effizienten Todesschützen … „Die Maske des Mörders verbreitet nicht nur Angst und Schrecken, sie baut auch die Distanz zum Opfer auf“ (Haller, 2002). (Frank J. Robertz, School shootings, S.238/231, 2004)


Das Spielen führt zu Abstumpfung gegenüber realer Gewalt. Die eigene Gewaltbereitschaft nimmt zu. Diese Spiele haben ganz klare negative Auswirkungen. Wer das leugnet, leugnet die Fakten. Die Spieler werden gewalttätiger, trainieren sich Gewalthandlungen an. Natürlich weiß der Spieler, dass er am Computer sitzt. Aber das wissen wir auch, wenn wir im Kino einen Film anschauen – und trotzdem beschleunigt sich der Herzschlag, wir werden in den Film ‚hineingezogen’. Und warum gewöhnt die US-Armee Soldaten mit Hilfe von Computerspielen die Tötungshemmung ab, wenn das nicht funktionieren würde? Dann würde die Army das nicht machen … Wer noch keine Aufmerksamkeitsstörung hat, kann sie sich mit Ballerspielen antrainieren … Die übelsten Ballerspiele sollte man verbieten. (Prof. Dr. Manfred Spitzer, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, zit. in: Cathrin Günzel, Hirnforscher: „Ballerspiele sind gefährlich“, Focus, 21.11.2006)


Wir haben inzwischen durch unsere Studie mit 45.000 Neuntklässlern nachgewiesen, dass Jungen, die sehr stark Männlichkeitsfantasien anhängen, die mit Dominanz und Heldseinwollen zu tun haben, häufiger Gewalttäter werden. Diese Männlichkeitsfantasien werden sehr stark geprägt von den Helden aus den Computerspielen und den Filmen, die sie schauen … Denn diese Computerspiele sind oft regelrecht frauenhasserisch … Es ist ja auch bekannt, dass das US-Militär seine Soldaten mit riesigen Schieß-Kino-Anlagen vorbereitet, die wie ein Killerspiel funktionieren. Und der Nachweis ist geführt, dass sich tatsächlich die Tötungsbereitschaft der Soldaten dadurch erhöht. (Prof. Christian Pfeiffer, Ein Recht auf die Wahrheit!, EMMA, Mai/Juni, 2009)


AIDS tötet keine Menschen; vielmehr zerstört es das Immunsystem und lässt seine Opfer dadurch wehrlos an anderen Krankheiten sterben. Es gibt im menschlichen Gehirn auch ein »Immunsystem gegen Gewalt«. Dieses Immunsystem wird durch die Konditionierung unserer Kinder durch gewaltverherrlichende, visuelle Unterhaltung geschwächt. In Analogie zu AIDS nennen wir diese Immunschwäche AVIDS für »Acquired Violence Immune Deficiency Syndrom«. (Lt. Col. Dave Grossman/Gloria DeGaetano, Wer hat unseren Kindern das Töten beigebracht?, S.77, 2003)


It would be cool to kill people. (Barry Loukaitis - vor seinem mörderischen School Shooting in Stiefeln und langem, dunklen Mantel -, Frontier Junior High School, Moses Lake/Washington, 2.9.1996)


Kleine Helden • Comic-Helden • Serien-Helden • Sport-Helden • Computerspiel-Helden • Killerspiel-Helden • Killer-Helden. Die Amokläufer werden zukünftig - wie schon in Winnenden - zunehmend ganz normale (Killerspiel-dressierte, ewige) Jungs aus allen Schichten sein! (A.Röhrbein, EG, Eigenzitat, 6.2009)


Insbesondere Ego-Shooter und Spiele mit einer militärischen oder kriegerischen Thematik leisten dabei einer gesellschaftlichen Entwicklung Vorschub, in welcher Krieg zunehmend zu einem integralen und trivialen Bestandteil einer Alltagskultur wird. Mit der Herausgabe ihres eigenen Computerspiels, »America’s Army«, macht sich die U.S. Army diese Entwicklung zunutze … In der Folge wird nicht nur Krieg zu einem Aspekt der Populärkultur, sondern auch die U.S. Army samt ihrer politischen Ziele (Yasmin Tawalbeh, Zivile Landschaften aus Krieg und Unterhaltung - Eine Betrachtung am Beispiel des Computerspiels „America’s Army“, 2008)


Wenn man sich die Frage stellt, wie Hitler möglich war, dann drängt sich in der Tat die Einsicht auf, dass diese Ausbreitung von gesellschaftlich sanktionierten Modellen der Gewalttätigkeit und der sozialen Ungleichheit zu den Voraussetzungen seines Kommens gehörten. (Norbert Elias, Studien über die Deutschen. Machtkämpfe und Habitusentwicklung im 19. und 20.Jahrhundert, S.27, 1994)


Die Millionen männlichen Killerspiel-Junkies bilden sich un-gewollt zu einer potentiell un-heimlichen Homegrown-Schläfer-Terrortruppe heran - und das ausgerechnet auch noch in der bereits angebrochenen, tendenziell (bürgerkriegs-) gefährdeten Umbauepoche hin zu einem postfossilen Menschheitszeitalter. (A.Röhrbein, EG, Eigenzitat, 6.2009)


:!:Iowa State University Distinguished Professor of Psychology Craig Anderson has made much of his life’s work studying how violent video game play affects youth behavior. And he says a new study he led, analyzing 130 research reports on more than 130,000 subjects worldwide, proves conclusively that exposure to violent video games makes more aggressive, less caring kids - regardless of their age, sex or culture … It reports that exposure to violent video games is a causal risk factor for increased aggressive thoughts and behavior, and decreased empathy and prosocial behavior in youths. (Study proves conclusively that violent video game play makes more aggressive kids, esciencenews.com, 1.3.2010)


Denn der Nationalsozialismus, wie wir ihn jetzt erst zu erkennen beginnen, ist die Überwindung des mißbrauchten Parlamentarismus durch sich selbst, ist die Entmachtung der „Masse“ durch sich selbst, die Überwindung der ewigen Krise einer Unordnung, die „keine gewaltsamen Erschütterungen mehr verträgt“, durch die „parlamentarische“ Revolution, das heißt die „Revolution ohne gewaltsamen Umsturz“, die Revolution einer durch überlegene Führung zu Ordnung und Disziplin gezwungenen „Masse“, die eben dadurch nicht mehr Masse, sondern Gefolgschaft, „Mannschaft“ geworden ist. Ja, wir können ihn mit einem kurzen Wort bezeichnen als die Aristokratisierung der Masse durch ein überlegenes Führertum. (Ernst Günther Gründel, Die Sendung der jungen Generation - Versuch einer umfassenden revolutionären Sinndeutung der Krise, S.22f, München 1932)


Nur aus der agonalen Situation des Weltbürgerkriegs, in dem innerstaatlich-soziale, zwischenstaatlich-imperialistische und ethnische Konflikte sich bis zur Ununterscheidbarkeit überlagerten, verstehen wir die Geschichte des Hakenkreuzes. (Lorenz Jäger, Das Hakenkreuz - Zeichen im Weltbürgerkrieg. Eine Kulturgeschichte, 2006)


VIII:

The worst sin towards our fellow creatures is not to hate them, but to be indifferent to them: that’s the essence of inhumanity. (George Bernard Shaw, 1856-1950, The Devil’s Disciple, Act II, 1901)


Der zivilisierte Wilde ist der schlimmste aller Wilden. (Karl Julius Weber)


Ureinwohner, s: Personen von geringem Wert, die eine Belastung für den Ackerboden eines neu entdeckten Landes darstellen. Sie hören bald damit auf, ihn zu belasten; sie düngen. (Ambrose Bierce, Des Teufels Wörterbuch)


Zivilisiert sein heißt, komplizierte Bedürfnisse haben. (Henry Miller)


Zivilisation ist die unablässige Vermehrung unnötiger Notwendigkeiten. (Mark Twain)


Wir stehen heute vor einer Welt, die sich gerade erst entwickelt, eroberungswillig und beherrschend, dabei jedoch nicht Gefahr läuft, wie der Koloß auf tönernen Füßen zusammenzubrechen, sondern vielmehr jene schleichende Verrohrung herbeizuführen, die durchaus das Gesicht der neuen Katastrophe nach der Shoah werden könnte. (Jaques Hassoun, 1936 - 1999)


Zivilisation ist die erzwungene Tierzähmung des Menschen. (Friedrich Nietzsche)


Zivilisation lässt sich definieren als eine Gewohnheit, dem Einzelnen gewisse Gelegenheiten zu barbarischen Betragen vorzuenthalten. (Aldous Huxley, 1894-1963, Die Teufel von Loudun)


Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation. (Jean Paul)


Euer geschichtlicher Bericht über die Angelegenheiten der Menschen ist nur eine Anhäufung von Verschwörungen, Rebellionen, Ermordungen, Revolutionen, Verbannungen, den schlimmsten Wirkungen, die Geiz, Parteisucht, Heuchelei, Treulosigkeit, Grausamkeit, Wut, Tollheit, Haß, Neid, Wollust, Bosheit und Ehrgeiz jemals hevorrufen könnten … Ich kann nur den Schluß ziehen, dass die Masse Ihrer Landsleute das verderblichste Geschlecht von kleinem Gewürm bildet, dem die Natur jemals erlaubt hat, auf der Oberfläche der Erde umherzukriechen. (Jonathan Swift, Gullivers Reisen)


Der Zyniker, dieser Schmarotzer der Zivilisation, lebt davon, sie zu verneinen, weil er überzeugt ist, daß sie ihn nicht im Stich lassen wird. (José Ortega y Gasset)


Der abgebaute Kohlenstoff reichert sich in der Atmosphäre an und ruft weltweit Schäden hervor, die nicht direkt in der Wirtschaftsrechnung der Anbieter und Nachfrager von fossilem Kohlenstoff auftauchen und deshalb von ihnen auch nicht beachtet werden. Der Marktfehler, der aus diesem Effekt resultiert, ist nach Meinung des Stern-Kommitees sogar der größte in der Geschichte der Menschheit, eine Aussage, der man schwerlich widersprechen kann. (Hans-Werner Sinn, Das grüne Paradoxon, S.375/376, 2008)


Auch auf den Malediven holt den Zivilisationsflüchtling verschmutzte Luft, vergiftetes Wasser ein. (Norbert Blüm)


IX:

Die Krise sei „nicht vorbei, wenn wir die Talsohle erreicht haben“, sagte sie am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner“. Danach komme „eine ganz lange, schwierige Wegstrecke“, bis Deutschland wieder den Stand von 2008 erreiche. (Angela Merkel, in: Merkel dämpft Hoffnung auf schnellen Aufschwung, Spiegel, 12.6.2009)


Die Zukunft ist auch nicht mehr, was sie war. (Hermann Josef Abs)


Wer die Vergangenheit beherrscht, beherrscht die Zukunft. Wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit. (George Orwell, 1984)


Die westlichen Gesellschaften haben es nicht gelernt, ihre sozialen Konflikte ohne Wachstum zu lösen. (Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, zit. in: Dagmar Dehmer, „Wachstum hat religiösen Charakter“, Zeit Online, 15.6.2009)


Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass die Menschheit 30 Jahre verloren hat. Wenn wir in den siebziger Jahren begonnen hätten, Alternativen zum materiellen Wachstum zu entwickeln, könnten wir heute gelassener in die Zukunft blicken. (Dennis L. Meadows, in: Fritz Vorholz, „Wir haben 30 Jahre verloren“ - Interview, Die Zeit, Nr.2, 31.12.2003)


Das Verhängnis unserer Kultur ist, daß sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig. (Albert Schweitzer)


Das Leben ist die Kunst, perfekt getäuscht zu werden; und damit die Täuschung gelingen kann, muss sie vertraut und permanent sein (William Hazlitt, On Pedantry - The Round Table, 1817). Diese Selbsttäuschung verhindert eine realistische Einschätzung der eigenen Lage, erschwert wirksame Aktivitäten, Bewältigungsstrategien oder Rebellion und gestattet kein Mitgefühl mit Schicksalsgenossen. (Philip Zimbardo, Der Luzifer-Effekt - Die Macht der Umstände und die Psychologie des Bösen, 2008)


Der moderne Mensch wird in einem Tätigkeitstaumel gehalten, damit er nicht zum Nachdenken über den Sinn seines Lebens und der Welt kommt. (Albert Schweitzer)


Aber so, wie das Konsumgut meist nicht gratis ist, ist auch die Konsumkultur nicht ohne Preis zu haben. Sie formt sich unsere Städte, sie richtet sich die Subjekte her, sie schreibt sich ein in unser Innerstes. Mit unserer Umwelt interagieren wir, indem wir kaufen. Innenstädte sind von Shopping Malls nur mehr schwer zu unterscheiden. Wer etwas erleben will, wählt aus den Angeboten der Erlebnisindustrie aus. Die Jagd nach dem Neuen ist dem Konsumbürger zur zweiten Natur geworden. Wenn’s mit den Freunden nicht so klappt – weg mit ihnen, man kann sich ja neue suchen (so sind wir es von den Waren gewohnt). Um die nächste Ecke wartet bestimmt ein noch aufregenderer Mensch. Der Homo shoppensis ist doch ein recht eindimensionales Wesen. (Robert Misik, Das Kult-Buch - Glanz und Elend der Kommerzkultur, 2007)


Vielmehr wird sich zeigen, dass in dem Maße, wie die Kunst des Aufhörens ihren Niedergang erlebt, auch die Tugend der Beständigkeit - nennen wir sie Treue - und die Fähigkeit, sich zu verwandeln und nicht zu versteinern, zum Erliegen kommen und auch Anfänge unmöglich werden. (Marianne Gronemeyer, Genug ist genug - Über die Kunst des Aufhörens, S.7, 2008)


So schnell kriegt man es halt aus den Köpfen der Menschen nicht raus, was sie über die vergangenen Jahrzehnte gelernt haben: den Wert von allem, wirklich allem, nur noch in Geld auszudrücken. Sei es Kunst, Sport oder Bildung, aber selbst Gleichberechtigung, Umweltschutz oder soziales Verhalten kann Firmenbossen und Politikern nur noch mit Verweis auf die pekuniären Vorteile schmackhaft gemacht werden. Auch wird man den Menschen den Irrglauben, dass Gesellschaften nur bei wirtschaftlichem Wachstum prosperieren können, so schnell nicht austreiben können. Es scheint alles in allem der Welt, vor allem dem Westen, halt noch nicht schlecht genug zu gehen, damit ein nachhaltiges Umdenken einsetzt. (Zeit für eine richtige Krise, Financial Times Deutschland, 8.6.2009)


Bei den globalen Rüstungsausgaben landet Deutschland auf Platz sechs, bei den Rüstungsexporten der letzten fünf Jahre nach den USA und Rußland sogar auf Platz drei. Zusammen mit Frankreich und Großbritannien sind diese fünf Staaten verantwortlich für knapp 80 Prozent der globalen Rüstungsexporte. (Inge Höger, abrüstungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, zit. in: Rüstungsgeschäfte boomen, junge Welt, 9.6.2009)


Das in Schieflage befindliche Haus des Kapitals zeigt tiefe Risse von innen und außen, und es droht einzustürzen. Dieser Verfallsprozeß muß unweigerlich fortschreiten, weil von denen, die dieses Haus retten wollen, niemand die Frage nach den grundlegenden Ursachen stellt. (Mumia Abu-Jamal, Straßenräuber in Anzügen - Finanzkapital und Politik haben die Krise in Gang gesetzt und sind unfähig, sie zu überwinden, junge Welt, 28.3.2009)


X:

Wälder gehen Zivilisationen voraus, Wüsten folgen ihnen nach. (François R. Chateaubriand, ca. 1840; )


Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann. (US-amerikanische Umweltbewegung, Weissagung der Cree, 1970-er)


Wenn das absolute Gewicht eines Bootes erhöht wird, wird früher oder später die Wasserlinie auch bei optimaler Beladung erreicht werden. Optimal beladene Boote gehen bei zu großer Ladung unter - wenn sie auch optimal untergehen. (Herman E. Daly, US-amerikanischer Ökonom/Träger des alternativen Nobelpreises 1996/Senior Economist im Environment Department der Weltbank/Mitgründer und Redakteur der Zeitschrift Ecological Economics, 1991)


Wer die Erde so behandelt, als sei sie ein Unternehmen in Auflösung, macht etwas falsch. (Herman Daly, American ecological economist/Ex-Senior Economist in the Environment Department of the World Bank/Professor at the School of Public Policy of University of Maryland)


Der Weg der Industrieländer - ein ökologisches Katastrophenmodell. (Hans-Jürgen Harborth, Nachhaltigkeitsforscher, 1992)


Nobel geht die Welt zugrunde. (Redensart)


Offensichtlich hat die Menschheit…mit ihren Einzelerfolgen die Dynamik der Umweltveränderungen nicht gestoppt. Niemand aber kann bis heute sagen, was und wie viel getan werden muss, um diese Dynamik zu stoppen. (Friedrich Schmidt-Bleek, dt. Chemiker/Umweltforscher, 1994)


Wissenschaftstheoretisch ist es naheliegend, dass der Mensch niemals in der Lage sein wird, alle denkbaren Folgen, alle Synergismen und Antagonismen von Stoffen und Stoffkombinationen in der Umwelt und schon gar nicht die Auswirkungen dieser Zusammenhänge in Raum und Zeit so vorherzusehen, dass politisch rechtzeitig gegengesteuert werden kann. (Friedrich Schmidt-Bleek, dt. Chemiker/Umweltforscher, 1994)


Auch die retrospektive Wahrnehmung ökologischer Gefährdungen basiert - wie die Beispiele ‚Ozonloch‘ und ‚Treibhauseffekt‘ unterstreichen - auf hochgradig kontingenten und umstrittenen wissenschaftlichen Wissensansprüchen. (Peter Wehling, Jenseits des Wissens? Wissenschaftliches Nichtwissen aus soziologischer Perspektive, in: Zeitschrift für Soziologie, Jg.30, H.6, S.465–484, 12.2001)


Der Umweltrat warnt davor, dass Nachhaltigkeit zu einem Beliebigkeitsbegriff verkommt. (Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, 2002)


Zwar ist durch die Steigerung der Effizienz der Ressourcenverbrauch pro produzierter Güter- und Dienstleistungseinheit fast durchweg gesunken, der damit verbundene Einspareffekt ist jedoch durch die Zunahme der Produktion und der Nutzung dieser Waren und Dienstleistungen häufig aufgehoben worden. (Umweltbundesamt, Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, 2002)


Es geht darum, dass wir jetzt eine industriegeschichtliche Entwicklung hinter uns haben, wo sozusagen die stoffliche Seite der Erde und des Lebens verschwenderisch und ignorant behandelt wurde. (Michael Müller, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit im Kabinett Merkel I, zit. in: Zhang Danhong, Nachhaltigkeit statt Wachstum, Deutsche Welle/dw-world.de, 3.8.2010)


XI:

Die jüngste Geschichte mit den Aktien- und Immobilienmärkten zeigt, dass unsere Systeme inhärent instabil sind. Und – auch wenn wir es noch nicht bemerken – unsere Systeme der Energienutzung, unsere Behandlung von landwirtschaftlichen Nutzflächen, unsere Nutzung von Grundwasser sind inhärent instabil. Sie werden uns mit dem gleichen Mechanismen aus Überschuss und Zusammenbruch konfrontieren, dessen Zeuge wir derzeit in den Schuldenmärkten werden. (Dennis Meadows, in: Martin Koelling, „Der Samurai ist schon tot, ohne es zu merken“, Technology Review, 24.4.2009)


Es wäre ein tödlicher Irrtum, die Krise nur als eine Fußnote der Geschichte abzutun, die bald erledigt ist, so zu tun, als ob bald alles wieder so sein wird wie früher, als ob wir weiter in den gleichen Kategorien denken könnten, wie vorher, uns nach den gleichen Kriterien, den gleichen Methoden verhalten könnten, wie vorher. Die Krise zwingt uns, eine neue Zukunft zu denken. (Nicolas Sarkozy, frz. Präsident, Rede in Versailles, 22.6.2009)


Wenn nun aber alle Lösungsansätze darauf hinauslaufen, das alte System nur ein wenig zu retuschieren, dann steuern wir auf eine zweite, noch größere Krise in naher Zukunft zu. (Michail Gorbatschow, Ändert Euch! Ihr braucht eine Perestroika, Cicero, S.10, 7.2009)


Die bekannten Steuerungsversuche und -instrumente müssen scheitern; an wirtschaftspolitischen Stellschrauben zu drehen, wie 2008/09 in Form von Konjunkturprogrammen und umweltpolitischen Reparaturprogrammen, gleicht dem Austauschen eines defekten Wasserhahns in der Erste-Klasse-Kabine auf der Titanic, nachdem sie den Eisberg gerammt hat. Ungerührt lautet die Devise an Deck: Wir sind unsinkbar. (Claus Leggewie/Harald Welzer, Das Ende der Welt, wie wir sie kannten, S.52, 9.2009)


:!:Wir treten in eine Ära der Krise ein. In Krisen wird der zeitliche Horizont der Menschen enger. Sie interessieren sich für das Heute, vielleicht auch für das Morgen, nicht aber für das Übermorgen. Eine Teufelsspirale kommt in Gang: Kurzfristige Lösungen helfen nicht bei der Bewältigung der Krise, diese verschlimmert sich, es werden immer hektischer noch kurzfristiger wirksame Lösungen gesucht, wodurch sich die Krise noch mehr verschlimmert, weil man die wahren Ursachen des Problems nicht angeht. (Dennis Meadows, zit. in: Thomas Seifert, Öko-Autor Meadows: „Das Kernproblem: Wir kriegen nie genug“, DiePresse.com, 7.10.2009)


Wir brauchen eine Lösung für das Megaproblem Schulden … Nicht nur die Deutschen, sondern die meisten westlichen Gesellschaften. Die haben sich gewöhnt an das Verheißungsprinzip Wachstum, an immer mehr aufgeheizten Konsum, koste es, was es wolle. Und die Politik verspricht immer mehr von diesem Wachstum, ob die Menschen nun Schulden wollen oder nicht … Der Befund ist doch eindeutig: Die Rohstoffe werden knapper, die Energie wird knapper, die Umweltschäden werden größer. (Horst Köhler, Bundespräsident, in: Rainer Pörtner/Frank Thewes, Köhler rechnet ab - „Wir müssen uns eigentlich vor unseren Kindern schämen“, Focus, Nr.12/10, S.18-26, 22.3.2010)


XII:

Human history becomes more and more a race between education and catastrophe… . (H.G. Wells, 1866-1946, englischer Historiker/Soziologe/Schriftsteller, The Outline of History, Ch.41, 1920)


Das Lebensgefühl der Apokalyptiker ist dominiert vom Naherwartungsfieber und der frohen Schlaflosigkeit derer, die für die Welt die Vernichtung, für sich selbst die Verschonung erträumen. (Peter Sloterdijk, Zorn und Zeit, 2006)


Die Vernunft der Nationen erschöpft sich noch immer in dem Bemühen, Arbeitsplätze auf der Titanic zu erhalten. (Peter Sloterdijk, Du mußt dein Lebe ändern - Über Anthropotechnik, S.708, 2009)


So should collapse be triggered now, or should we wait as long as possible? If we accept the inevitability of collapse, then it should be triggered as soon as possible, as the cost of implementing a collapse strategy is continually growing… . (Jeff Vail, The Logic of Collapse, jeffvail.net, 28.4.2005)


In der Weltrisikogesellschaft sind isolierte Nationalstaaten weder handlungsfähig noch überlebensfähig, noch souverän. (Ulrich Beck, Mein Gott, was für eine Chance!, Die Zeit, 19.3.2009)


Vielleicht liegt hierin das Geheimnis des Untergangs: Die Menschen hatten einfach keine Lust mehr auf komplexe Wahrheiten. Sie verloren den Gemeinsinn für arbeits­teilige Organisationsformen. Sie hatten kein Interesse an einer Zivilisation, die sie nicht mehr verstanden und deshalb nicht mehr als ihre begriffen. Jede Gruppe suchte lieber ihr eigenes Glück innerhalb ihrer eigenen Gemeinschaft fernab der großen Gemeinschaft der Städte. Und mit dem Ende der Solidarität brach die Dunkelheit herein. (Ulrich Kühne, Hallo Apokalypse, der Freitag, 5.3.2009)


In short, we are prepared to die in order to live a life that is killing us. (Keith Farnish, Time’s Up: An Uncivilized Solution to A Global Crisis, 2009)


Endet es? Wird es enden? Oder ist es bereits zu Ende? (Samuel Beckett, 1906-89, Endspiel, 1957)


Nature is trying very hard to make us succeed, but nature does not depend on us. We are not the only experiment. (Buckminster Fuller, 1895-1983, US-American philosopher, architect, and inventor, Interview, 30.4.1978)


XIII:

Complexity always costs. The more complex a society becomes the more energy it uses. Lessons from history show us that problems arise when a society’s complexity increases beyond its energy resources. Historically, societal collapse occurs when a society’s investments in social complexity reach a point of diminishing returns. Innovation that boosts productivity is the key to stemming declining returns and sustaining an increasingly complex society. The question we need to ask ourselves is ‘What do we value enough to work to sustain?' (Joseph A. Tainter, zit. in: USU Researcher Featured in June 2 ABC News Special ‚Earth 2100‘, Utah State University Online News, 21.5.2009)


Noch ist Konsumismus das kulturelle Leitbild, das Menschen Sinn, Zufriedenheit und gesellschaftliche Akzeptanz in dem suchen lässt, was sie konsumieren. Doch die Menschheit wird umdenken müssen. Wenn wir den Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation verhindern wollen, brauchen wir nichts Geringeres als eine Umwälzung der herrschenden kulturellen Muster. (Erik Assadourian, Co-Direktor des Worldwatch Instituts, zit. in: Bericht „Zur Lage der Welt 2010“: Konsum ist mitverantwortlich für Zerstörung globaler Ökosysteme, oekonews.at, 19.3.2010)


XIV:

Humans beings draw close to one another by their common nature, but habits and customs keep them apart. (Confucius, 551-479 BC, Chinese thinker and social philosopher)


Lack of communication has given rise to differences in language, in thinking, in systems of belief and culture generally. These differences have made hostility among societies endemic and seemingly eternal. (Isaac Asimov, 1920-92, American author and professor of biochemistry at Boston University)


Der Spiegel, der den „distanzierten Blick“ auf sich selbst erlaubt, ist immer der andere Teil des Zivilisationszusammenhangs. (Lazaros Miliopoulos, Begriff und Idee der „Atlantischen Zivilisation” in Zeiten transatlantischer Zerreißproben, 2008)


zivilisations-kollaps/intro/zitate/start.txt · Zuletzt geändert: 2010/08/13 19:10 von admin